Werbung

Fische fliegen durch die Straße

Das Schweizer Städtchen Murten veranstaltet jedes Jahr ein Lichtfestival.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Eine ganze Stadt leuchtet weithin sichtbar. Zum dritten Mal fand an zwölf Januartagen und -abenden im Schweizer Städtchen Murten im Kanton Fribourg das »Murten Licht-Festival« statt. Es ist keineswegs übertrieben zu sagen, dass dieses noch junge Festival den Ort an zwölf wahrlich magischen Nächten in ein wunderschönes Lichtermeer verwandelt hat.

Gewöhnlich leben in Murten, zwischen der Hauptstadt Bern und Lausanne wie auf einem Balkon oberhalb des Murtensees gelegen, etwa 8000 Menschen. Im Sommer füllen unzählige Touristen die Straßen des idyllischen Ortes. In der kalten Jahreszeit aber blieben sie lange Zeit aus und zogen lieber in andere Schweizer Orte. Nun hat Murten weder Pisten noch Loipen zu bieten. Sonderlich schneesicher ist die Stadt auch nicht. Und der höchste Berg in der Gegend nördlich des Murtensees - der Mont Vully - ist für Schweizer Verhältnisse lächerliche 653 Meter hoch. Interessant ist er höchstens für Weinliebhaber. Die Reben dort sollen einen guten Tropfen liefern.

Pfiffige Touristiker überlegten nun, wie die Stadt aus dem Winterschlaf zu wecken ist. Die Idee eines Licht-Festivals wurde geboren. Vorbild für diese zwölf hellen, bunten Nächte ist die »Fête des Lumières« im französischen Lyon, die jedes Jahr mehr als eine Million Besucher anzieht. Im schweizerischen Winterthur fanden 2004, 2007 und 2010 internationale Lichttage statt. Aufgrund größerer finanzieller Probleme gingen aber dort die Lichter wieder aus.

In Murten droht diese Gefahr nicht. Bereits die Premierenshow im Januar 2016 wurde ein Riesenerfolg, mit 80 000 Besuchern verzehnfachte die Stadt kurzzeitig ihre Einwohnerzahl. »Es hat eingeschlagen wie eine Bombe«, staunt Stadtführerin Heidi Buschbauer noch heute. Im letzten Jahr kamen ähnlich viele Menschen wie im Jahr zuvor. In diesem Januar hielt das, wie die Veranstalter sagten, »garstige Wetter« mit strömendem Regen wohl einige Menschen davon ab, nach Murten zu kommen. Dennoch fanden 65 000 Besucher den Weg in die bunt erleuchtete Ortschaft.

Allabendlich pünktlich um 18 Uhr hieß es an zwölf Januartagen »Schalter an«. Der See verwandelte sich bis 22 Uhr in ein Lichtermeer und das Städtchen in eine riesige Leinwand. In diesem Jahr inszenierten 32 Künstlerinnen und Künstler 26 »Arteplages« genannte Ausstellungsplätze.

Allerlei seltsames war da zu sehen. Die Hauptgasse verwandelte sich in ein Aquarium, durch das Fische fliegen. Ein heftiges »Schneegestöber« tobte durch die Rathausgasse. Ein riesiger glitzernder Schneemann - mangels Schnee aus Discokugeln gebaut - begrüßte die Zuschauer.

Der Ballsaal ist das »Kind« von Ann Lee Zwirner. Ohne die amerikanische Künstlerin und ihren deutschen Mann Peter ist das Murtener Festival nicht denkbar. Sie sind an vorderster »Front« beteiligt an der Suche nach Künstlern und Sponsoren. Im Ballsaal auf einem Platz mit Blick auf den Murtensee stehen Bäume, an denen unzählige Kleidungsstücke und Tanzschuhe hingen. Wer Lust auf ein Tänzchen in der passenden Garderobe hatte, bediente sich einfach.

400 000 bis 500 000 Franken kostet das Festival. Dazu kommen noch nicht unerhebliche Summen für Feuerwehr und Sicherheit. Doch 150 Sponsoren sorgen dafür, dass keine Schulden entstehen.

Nach dem Festival ist vor dem Festival. Bereits im Januar haben die Organisatoren mit der Vorbereitung auf die nächste Schau in einem Jahr begonnen. Die Suche nach Sponsoren ist eine der Hauptaufgaben. Und die Einladungen an die Lichtkünstler werden auf den Weg gebracht.

»Nach der erfolgreichen dritten Ausgabe in diesem Jahr ist das Licht-Festival langfristig etabliert«, sagt Stephane Moret, der Direktor von Murten Tourismus. Das Festival sei eine Art Renommee für die Lichtkünstler, so dass sie immer wieder gern kämen. Morets Wunsch: »Murten soll der Hauptort des Lichts in der Schweiz werden.«

Am See können die Festival-Besucher abends eine Laterne mit ihren Wünschen versehen und sie anschließend den Wellen übergeben. Auf dem Murtensee schwimmt dann jeden Abend ein Lichtermeer von Wünschen. Auf mindestens einer stand dann auch, dass diesem Fest ein langes Leben gewünscht wird. Das nächste Lichtermeer erstrahlt vom 16. bis zum 27. Januar 2019.

Infos

Schweiz-Tourismus:
www.MySwitzerland.com
Telefon: (00800) 100 200 30 (kostenlos)
E-Mail: info@myswitzerland.com

Murten-Tourismus: www.murtentourismus.ch

Lichtfestival:
www.murtenlichtfestival.ch

Die Reise wurde von Schweiz- Tourismus unterstützt.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen