Werbung

Die unsouveräne Leserin

Christian Baron trauert anders als Angela Merkel um die Lektürekultur

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 1 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Vor zehn Jahren erschien eine wundersame Novelle des britischen Schriftstellers Alan Bennett auf Deutsch: »Die souveräne Leserin« erzählt von der Queen, die im Buckingham-Palast einen lesenden Küchenjungen trifft. Fortan nutzt sie jede freie Minute für die Literatur und den Austausch mit dem Gehilfen. Auch Deutschland hat eine sich gern royal gebende Frau an der Staatsspitze. Und auch sie redet neuerdings über Bücher. Angela Merkel zeigt sich in ihrem jüngsten Podcast traurig darüber, dass es um die Lesekompetenz im Land schlecht bestellt ist und immer weniger Menschen das gedruckte Wort zu schätzen wissen. Die Leute könnten doch wenigstens zu kurzen Büchern greifen, »die man in einem Ruck lesen kann«.

So begeistert dieser Kulturpessimismus in konservativen Kreisen aufgenommen werden dürfte, so höhnisch klingt es, dass eine CDU-Politikerin die mangelnde Lesekompetenz mit individuellem Unwillen erklärt. Ihre Partei ist es, die das mehrgliedrige Schulsystem zum Schutz verhätschelter Arzt- und Anwaltskinder verteidigt - und damit eines der sozial ungerechtesten Bildungswesen der Welt stützt, dessen Folge eine Masse an funktionalen Analphabeten ist. Offenbar spricht Merkel seltener mit »ihrem Volk« als die Queen in Bennetts Buch. Die Kanzlerin sollte das Werk lesen. Es ist 120 Seiten kurz. Das dürfte sogar sie »in einem Ruck« schaffen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen