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148 Menschen starben im Verkehr

Innenminister Karl-Heinz Schröter präsentierte die Verkehrsunfallbilanz Brandenburg für 2017

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 4 Min.

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An die gute Nachricht ständig sinkender Zahlen bei Unfällen und Verkehrstoten hatte sich Brandenburg schon fast gewöhnt. Nun erfolgt der Dämpfer. Von einem Anstieg der Zahl der Verkehrstoten von 121 im Jahr 2016 auf 148, das heißt mehr als ein Fünftel, musste Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Montag berichten, als er die Unfallbilanz 2017 präsentierte.

Zwar sei das kein Rückfall hin zu einer Situation, in der 931 Menschen allein im Jahr 1991 ihr Leben auf den Straßen des Landes lassen mussten, sagte der Minister. Auch müsse die geringe Zahl der Getöteten des Jahres 2016 als »positiver Ausreißer« gewertet werden, und Brandenburg habe sich im Vorjahr wieder dem grundsätzlichen Trend angepasst.

Die Zahl der getöteten Radfahrer hat sich hat sich mit 26 binnen eines Jahres verdoppelt, die Zahl der tödlich verunfallten Kraftradfahrer erhöhte sich mit 22 um das Anderthalbfache. Als gute Nachricht sei zu vermelden, dass 2017 kein einziges Kind im Straßenverkehr ums Leben kam. Vom laufenden Jahr könne man das leider schon nicht mehr behaupten, schloss Schröter an und verwies auf ein Mädchen, dass vor einigen Wochen in Brandenburg/Havel von einem Lkw tödlich verletzt wurde.

Mit 59 Verkehrstoten je eine Million Einwohner bildet Brandenburg gemeinsam mit Sachsen-Anhalt das Schlusslicht der deutschen Verkehrsstatistik 2017. Im Bundestrend hat die Zahl der bei Unfällen Getöteten um knapp ein Prozent abgenommen. Schröter sagte: »Wir sind also schlechter als der Bundestrend.«

Ursachen für den Anstieg von rund 82 600 auf etwa 85 400 Verkehrsunfälle waren Schröter zufolge das Nichtbeachten der Verkehrsregeln und Verkehrsschilder, darunter vor allem das Missachten der Vorfahrt, überhöhte Geschwindigkeit, das der Witterung nicht angepasste Fahren, Leichtsinn, Übermut. Alkohol ist etwas seltener als früher die Ursache von Verkehrsunfällen, dennoch starben deswegen mit acht Menschen einer mehr als im Vorjahr.

Erneut haben sich Brandenburgs Alleen als schwerpunktmäßiger Schauplatz von Verkehrsunfällen erwiesen. Es kam zu mehr als 1600 Zusammenstößen mit Bäumen. Allein dabei starben 51 Menschen. »Die Alleebäume verzeihen keinen Fahrfehler«, sagte Schröter und setzte hinzu, angesichts dessen müssten weitere Maßnahmen an diesen Alleen überdacht werden.

Als ein weiterer Schwerpunkt des Unfallgeschehens hat sich die Baustelle am Berliner Ring bei Michendorf herausgestellt, erklärte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Mit 517 Unfällen haben sich deutlich über ein Drittel aller Unfälle im Baustellenbereich an dieser einen Strecke ereignet. Mangelnder Abstand, Unwilligkeit zum »Reißverschlussprinzip« und Fehler beim Überholen führten zu diesen Unfällen. Mörke verteidigte dennoch den Ausbau der A10 an dieser Stelle auf vier Spuren. Der Transitverkehr werde in kommenden Jahren weiter zunehmen, der Verkehr nach Berlin ebenfalls, verwies der Polizeipräsident auf Prognosen.

Die Antwort der Polizei auf die zunehmende Anzahl der Verstöße sei Prävention, aber auch Repression, unterstrich Mörke. Er sprach von 1,6 Millionen festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitungen. Die Polizei ermittelte fast 4000 Fahrten unter Alkoholeinfluss und rund 1800 Fälle des Fahrens unter Drogeneinfluss, ferner 8000 Verstöße durch das nachgewiesene Telefonieren am Steuer. Die Einnahmen des Landes durch Ordnungs- und Strafgelder seien im vergangenen Jahr um fast vier Millionen Euro auf 48 Millionen gestiegen. »Ich bin darüber nicht erfreut«, kommentierte Innenminister Schröter diesen Umstand. Ihm wäre lieber, die Beachtung der Regeln, lasse das »Bußgeldaufkommen« sinken. Ein Pro᠆blem seien fehlende Parkmöglichkeiten für Fernfahrer entlang der Autobahnen in Brandenburg. Er könne sich in einen Fahrer hineinversetzen, dessen vorgeschriebene Ruhezeit heranrücke und der auf »abenteuerlich zugeparkten« Rastplätzen keine Parkmöglichkeit mehr finde.

Das Projekt »Begleitetes Fahren mit 17 Jahren« habe sich als Erfolg erwiesen, sodass man gemeinsam mit anderen Bundesländern eine Initiative »Begleitetes Fahren mit 16« ins Auge fasse, sagte Verkehrsstaatssekretärin Ines Jesse. Verschiedene Angebote würden sich an Senioren wende, unter anderem das Training »Fit im Auto« und Informationstage des ADAC für ältere Verkehrsteilnehmer.

Als »unerträglich« wertete Minister Schröter das nach wie vor unbefriedigende Verhalten auf Autobahnen, wo im Falle von Staus keine Rettungsgassen gelassen werden. Schröter schilderte einen Fall, in dem die Feuerwehr einen Rettungsversuch abbrechen musste, weil sie einfach von bornierten Autofahrern nicht an den Unfallort durchgelassen wurde. Der Minister sprach sich dafür aus, die bestehenden Bußgelder von 200, 240 oder 280 Euro auf bis zu 1000 Euro zu erhöhen, Punkte in der Verkehrssünderkartei inbegriffen.

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