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Als man sich noch in handgeschriebenen Briefen Treue schwor

Für Caroline Vongries steht fest: Das Kapital von Jenny und Karl Marx war die Liebe

»Man darf Marx nicht gegen den Marxismus ausspielen.« Diese mahnenden Worte des französischen Philosphen Jacques Derrida stellt die Autorin an den Anfang ihres Büchleins über Karl und Jenny Marx. Zunächst erzählt Caroline Vongries die Geschichte der beiden parallel und dann natürlich verschränkt. Das Paar erlebte etliche Höhenflüge, aber noch mehr Tiefen. Stets fehlte es an Geld. Und doch waren sie - fast immer - glücklich miteinander.

Caroline Vongries: Jenny und Karl Marx: Liebe als Kapital.
Buchverlag für die Frau, 128 S., geb., 5 €.

Über Marx urteilt die Autorin: »Sein Leben steckt voller Widersprüche, in seinen Worten Dialektik.« Sie verschweigt nicht, dass ihr Protagonist durchaus auch ein schwieriger Charakter war. Ebenso wie ihre Protagonistin eigenwillig und trotzköpfig sein konnte. Aber sie liebte ihren »Mohr« doch innig, wie die von der Autorin zitierten Liebesbriefe von Jenny bezeugen. Sie mögen in Ohren heutiger Leser mitunter kitschig erscheinen. Und dennoch: Wie reich an Gefühlen und Gedanken sind sie. In Zeiten von Twitter und SMS gibt es dies nicht mehr.

Zu einer heftigen Krise im Eheleben der Marxens, das nicht nur auf Liebe, sondern auch auf Vertrauen und gegenseitigen Respekt baute, kam es mit der Schwangerschaft der treuen Seele, der Haushälterin Helena Demuth, von allen nur »Lenchen« genannt, die Dienstmädchen schon im Haus des Regierungsrats Johann Ludwig von Westphalen in Trier war. »Zwar übernimmt Gentleman Engels offiziell die Vaterschaft, doch ist in Wahrheit wohl Karl Marx der Erzeuger.« Das »wohl« erübrigt sich eigentlich, denn die Geschichtswissenschaft ist sich in dieser Hinsicht inzwischen absolut sicher. Auch und obwohl auf Befehl Stalins 1934 alle auf Marxens Vaterschaft hinweisende Dokumente als geheim eingestuft und der Forschung entzogen worden sind. Dass Marx fremdgegangen sein sollte, vertrug sich nicht mit der Hagiographie um ihn. »Nichts Menschliches ist mir fremd«, sagte einst Goethe. Hardcore-Marxisten lassen dies für Marx bis heute nicht gelten. Frederick Demuth wurde recht bald nach der Geburt weggegeben, in eine Pflegefamilie; er starb im Jahr des Ausbruchs der Weltwirtschaftskrise 1929. Leserinnen, die selbst Mütter sind, werden den Schmerz nachempfinden, den »Lenchen« erlitt. Sie führte nach dem Tod von Karl Marx dem treuen wie verschwiegenen Freund Engels den Haushalt.

Neben ihren drei Töchtern Jenny, Laura und Eleanor hatten Jenny und Karl auch einen gemeinsamen, von allen abgöttisch geliebten Sohn, genannt »Musch«. Er wurde nur acht Jahre alt. Die Autorin notiert: »So groß ist der Schmerz von Karl Marx, dass Wilhelm Liebknecht bei der Beerdigung befürchtet, der Vater könnte dem toten Sohn hinterherspringen.«

Nach dem Berliner Mauerfall und dem Zerbröseln des sozialistischen Lagers schien Marx tot, wie ein CDU-Politiker übereifrig verkündete. »Heute, in der globalisierten Welt mit ihrer Auflösung von Werten, klingen Marx’ Thesen wieder aktuell«, schreibt Caroline Vongries eingangs. »Karl Marx ist eine Ikone. Ein Mythos. Eine Legende. Gesellschaftspolitisches Über-Ich. Beschworen, benutzt, verteufelt, schließlich vom Sockel gestürzt. Kann man, darf man sich ihm überhaupt unvoreingenommen nähern?« Aber natürlich, liebe Caroline Vongries. Und Sie haben das sehr gekonnt, klug, einfühlsam und sympathisch getan. Dafür sei gedankt. Dank auch an den Verlag, der das Kleinod liebevoll und ansprechend gestaltet hat.

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