Werbung

Kostenloses Schulessen gewünscht

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.

Kinder aus bedürftigen Familien sollen nach dem Willen der rot-roten Koalition künftig kostenlos in Kitas und Schulen Mittagessen bekommen. Eine entsprechende Bundesratsinitiative, die vom Land Berlin eingebracht wurde, findet in Brandenburg politische Unterstützung. Am Dienstag wurde die Landesregierung in einem gemeinsamen Antrag von SPD und LINKE aufgefordert, den Berliner Vorstoß »in geeigneter Weise zu unterstützen«. In Skandinavien gehöre das kostenlose Mittagessen in den Schulen zur Normalität, hieß es.

Die Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato (LINKE) begründet diese Initiative damit, dass viele Familien selbst den einen Euro, der ihnen für das Mittagessen ihres Kindes abverlangt wird, nicht aufbringen können. »Bei Nichtzahlung des Eigenanteils werden Kinder beziehungsweise Jugendliche von der gemeinschaftlichen Mittagsverpflichtung ausgeschlossen.« Inzwischen gebe es schon Kitas, die Kinder erst gar nicht aufnehmen, wenn deren Eltern den Essensbeitrag nicht bezahlen. Dazu heißt es jetzt: »Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig für gesundes Aufwachsen und erfolgreiches Lernen von Kindern und Jugendlichen.« Daher sollten sie »in der Schule, in der Kindertageseinrichtung oder in der Tagespflege die Möglichkeit haben, sich ausgewogen zu ernähren und gesundes Essverhalten zu erlernen«.

Als »sehr zynisch« wies Fortunato die Aussage des designierten Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) zurück, Hartz-IV-Empfänger könne man nicht arm nennen. Der Regelsatz gestehe einem Kind pro Tag 2,70 Euro für Essen und Getränke zu. Vor diesem Hintergrund sei zu sehen, dass ein Euro für die Schulspeisung vielleicht nicht viel klinge, für betroffene Familien aber doch viel sei. Die Aussage Spahns sei Ausdruck dafür, wie abgehoben bestimmte Politiker agieren. Man dürfe gespannt sein, was die SPD-Minister in der Bundesregierung dazu sagen, aber »offenbar hat es der SPD die Sprache verschlagen«, sagte Fortunato.

Die Erfahrung an brandenburgischen Schulen zeige, dass in der Frühstückspause »Warmesser« neben »Kaltessern« sitzen, also Kinder, die das Mittagsmahl einnehmen neben solchen, die sich mit ihren mitgebrachten Pausenbroten sättigen müssen. Auch gibt es noch »Heimesser«, das heißt Kinder, die erst wieder Zuhause etwas essen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln