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  • Aufforstungsprojekt in Rojava

Bäume der Solidarität in Nordsyrien

Linke Aktivist*innen starten während des türkischen Einmarsches ein Aufforstungsprojekt

  • Von Anselm Schindler
  • Lesedauer: 4 Min.

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Während sich die kurdisch-arabischen Volks- und Frauenmilizen YPG und YPJ im Nordwesten Syriens heftige Gefechte mit türkischen Einheiten und Dschihadist*innen liefern, starten linke Aktivist*innen im Nordosten die Wiederaufforstung der Region. Der Slogan lautet: »Macht Rojava wieder grün.« Bislang sind es rund 2000 Stecklinge und Setzlinge, die Aktivist*innen der Internationalistischen Kommune von Rojava hochgezogen haben, darunter Feigen, Zitronen und Granatapfelbäume. 50 000 sollen es bis Ende des Jahres sein.

»Die militärische Verteidigung der Demokratischen Föderation von Nordsyrien ist das eine«, erklärt Alessandra, eine italienische Aktivistin, die bereits seit einigen Monaten an der Vorbereitung der Wiederaufforstung mitarbeitet. »Aber selbst wenn das Volk in Rojava Daesh zurückgeschlagen hat und selbst wenn sich Rojava gegen die Invasion durch den türkischen Staat verteidigen kann, dann bedeutet das immer noch nicht, dass die Menschen hier eine Zukunft haben.«

Die Verteidigung der kurdisch-syrischen Stadt Kobane gegen Daesh (die ortsübliche Bezeichnung für IS) und der Aufbau von basisdemokratischen Räten inmitten des Krieges hat den schmalen, kurdisch geprägten Landstreifen, der sich im Norden Syriens an der türkischen Grenze entlangzieht, weltweit bekannt gemacht. Seitdem Daesh aus der Region vertrieben ist, hat in vielen Städten der Wiederaufbau begonnen. Doch dabei stehen die Menschen in Rojava vor vielen Problemen, nicht zuletzt vor ökologischen.

Denn der Krieg, fehlendes Bewusstsein und die jahrzehntelange Diktatur des Assad-Regimes haben in weiten Teilen der Region die ökologischen Lebensgrundlagen kaputt gemacht. Das Grundwasser ist mit Schwermetallen und Keimen belastet, Ölförderung und Weizenmonokulturen haben die Böden verpestet und ausgezehrt, und auch der Krieg hat große Schäden hinterlassen. Schließlich fehlt der Wald. Bis vor einigen Jahrzehnten gab es zumindest kleinere Wälder, unter der Herrschaft des Assad-Klans wurden sie abgeholzt, um Material für die Bauwirtschaft zu gewinnen. Nachgepflanzt wurde jedoch fast nichts. Und so werden immer größere Landstriche zu öden Steppen.

»Der türkische Staat schränkt seit Jahren die Wasserversorgung ein, indem er am Tigris und Euphrat Staudämme baut«, erklärt Giwar Alan, ein Mitarbeiter des Ökologiekomitees des Cizire-Kantons, das die Internationalist*innen bei der Wiederaufforstung unterstützt. Die Folgen des Bauvorhabens wirken sich in Rojava nicht nur auf die Natur, die Trinkwasserversorgung und die Landwirtschaft aus, sondern sorgen auch für ökonomische Probleme: 75 Prozent der Elektrizität wird in Rojava durch Wasserkraft gewonnen, es könnten 100 Prozent sein, wäre da nicht die Kontrolle des Wasserzustroms durch den türkischen Staat. Und dann ist da noch das Embargo, das für einen ökologischen Aufbau Rojavas negative Auswirkungen hat: Weder die Türkei noch die Regierung der autonomen kurdischen Region lassen Baumaterialien oder technisches Gerät über die Grenze - zumindest offiziell.

Das stellt natürlich auch für die Aktivist*innen von »Macht Rojava wieder grün« vor Probleme. »Wir wollen in den nächsten Monaten ein Recyclingprogramm beginnen«, erklärt Alessandra. »Doch die Maschinen, die es braucht, um zum Beispiel aus Plastikmüll Kunststoff zu recyceln, gibt es in Nordsyrien nicht. Bislang wird das alles auf Müllkippen verbrannt, was stinkt und das Grundwasser stark belastet.« Doch die Menschen in Rojava haben gelernt, sich selbst zu helfen, das Embargo hat auch zu einigem Erfindungsreichtum geführt.

Alessandra ist sich sicher, dass auch für das Recyclingproblem Lösungen gefunden werden: »Dann bauen wir die Maschinen eben selbst. Aber auch dafür sind wir natürlich auf Unterstützung angewiesen. Auf Leute, die Wissen im technischen und ökologischen Bereich haben. Diese Leute brauchen wir in Rojava.«

In den vergangenen Monaten war es kompliziert, nach Rojava zu kommen. Der sicherste Weg führt über die kurdische Autonomieregion des Nordirak. Doch wegen politischer Konflikte waren die Flughäfen in Irakisch-Kurdistan längere Zeit für internationale Flüge geschlossen. Das soll sich in diesen Wochen ändern. Alessandra und die anderen Internationalist*innen hoffen, dass dann mehr Menschen nach Rojava kommen, um das Projekt zu unterstützen.

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