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  • Präsidentschaftswahl in Russland

Sieben gegen den Favoriten

Alle Mitbewerber um die russische Präsidentschaft müssen mehr auf die Zukunft als die Gegenwart setzen

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Xenija Sobtschak ist jene Kandidatin, die sich als einzige Frau unter den sieben Konkurrenten des Favoriten Wladimir Putin die größte Aufmerksamkeit verschafft. Sie nannte sich selbst in einer Fernsehshow »Blondine in Schokolade«, war skandalumwittertes Partysternchen, macht nun gegen Mitbewerber Punkte in TV-Debatten und findet größere Aufmerksamkeit.

So hat sich die Vertreterin der Partei »Bürgerliche Initiative« zum Internationalen Frauentag am 8. März als Ein-Frau-Aktion in Moskau vor der Staatsduma mit dem Plakat »Wir wollen euch nicht!« postiert. Die Wahl des Staatsoberhauptes vergleicht sie mit einem Spielkasino, wo stets die Bank gewinne. Die Leute sollten nicht so dumm sein, dort auf den Gewinn des goldenen Schlüsselchens zu hoffen.

Die 36-jährige Moderatorin des unabhängigen TV-Senders »Doschd« tritt freilich selbst an. Sie kämpft um die Schlüssel zum Kreml und dies nicht nur »gegen alle« und besonders leidenschaftlich gegen den Amtsinhaber. Am 9. März hat sich die harsche Oppositionelle gegenüber der Vorwoche von ein auf zwei Prozent in der Wählergunst verdoppelt, sie kämpft aber auch gegen sich selbst.

So hat sich Sobtschak zuletzt mit einer Ergebenheitsadresse an die ukrainische Führung in Schwierigkeiten gebracht. Denn in Kiew ersuchte sie um Einreise in die 2014 von Russland übernommene Halbinsel. Das ist gegen Moskau gezielt, verärgert aber auch Kiew. Xenija Sobtschak kann es ja nur um Wahlkampf um die Präsidentschaft gehen. Der steht in der Ukraine aber erst im kommenden Jahr auf der Tagesordnung, und nach Kiewer Verständnis hat die Krim mit dem russischen Wahlkampf so gar nichts zu schaffen.

Eines größeren Beifalls konnte sich Sobtschak gewiss sein, als sie in einer Fernsehdebatte auf Rossija 1 ihrem ultranationalistischen Widersacher Wladimir Schirinowski den Inhalt eines Glases Wasser ins Gesicht schüttete. Der hatte für würdige Debatten plädiert, eine Entschuldigung für frühere Attacken auf die Gegenkandidatin aber mit dem Hinweis verweigert, man befinde sich schließlich nicht im Kindergarten.

Der 71-jährige rechtsextreme Kandidatenveteran hat seit 1991 keine Wahl ausgelassen. Er schaffte es aber in fünf Versuchen nie auch nur in die Nähe des Kreml. Bei der letzten Sonntagsfrage vor der Wahl lag Wladimir Wolfowitsch bei fünf Prozent. Er gehört zur sogenannten System-Opposition und besetzt traditionell den Posten des Rechtsextremisten und Provokateurs.

Zum Abschluss des Wahlkampfes 2018 hat sich Schirinowski noch rasch mit der Forderung nach Ablösung der Chefin der Zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, hervorgetan. Er zeigte sich unzufrieden mit der Organisation der Debatten der Kandidaten. Seine Partei habe deren Unterteilung in drei Gruppen vorgeschlagen, die dann jeweils den 1. Kanal, Rossija 1 und TV Zentr zur Verfügung haben sollten. Diesmal gemeinsam mit Sobtschak hat Schirinowski zum Ausklang des Wahlkampfes eine Teilnahme an TV-Debatten abgelehnt.

Das tut auch Wladimir Grudinin. Er holte sich in der letzten Woche vor dem Urnengang noch einmal Rat und Rückhalt bei Revolutionsführer Wladimir Iljitsch Lenin in dessen Museum. In Uljanowsk versicherte der parteilose Kandidat der Kommunisten, auf seinem Programm stünden Volk, Gerechtigkeit und sozialistische Prinzipien. Seinen früheren Sowchos verwandelte er in ein florierendes Unternehmen mit einer vorzüglichen sozialen Infrastruktur. Das macht ihn ganz besonders für seine Mitarbeiter und Angestellten zu ihrem Spitzenkandidaten.

Nach Amtsinhaber Wladimir Putin gilt der 57-Jährige mit dem Spitznamen »Erdbeerkönig« als stärkster Mitbewerber. Der Agrarunternehmer aus dem Moskauer Gebiet und Millionär liegt mit seinen sieben Prozent vor den anderen Mitbewerbern, aber ziemlich fern von einem zweistelligen Ergebnis. Dass er es mit dem Bekenntnis, die Punk-Protestlerinnen von Pussy Riot seien 2012 für ihren Gebetstanz in der Moskauer Erlöser-Kathedrale zu hart bestraft worden, aufbessern kann, darf bezweifelt werden.

Die übrigen zugelassenen Kandidaten sind am Ende des Wahlkampfs ebenso chancenlos wie zu dessen Beginn. Der 66-jährige Liberale Grigori Jawlinski von der Partei Jabloko bleibt wohl bei einem Prozent. Ebenso wenig weist das Zentrale Meinungsforschungsinstitut WZIOM für Sergej Baburin, den 59-jährigen Chef der Volksunion, aus. Für den 57-jährigen Unternehmer und Milliardär Boris Titow von der Partei »Partei des Wachstums« sowie Maxim Suraikin, 39-jähriger Vorsitzender der Partei Kommunisten Russlands, bleibt nur eine Null vor dem Komma.

Nicht auf der Liste, dafür unter Beobachtung bleibt Putins schärfster Kritiker Alexej Nawalny. Obwohl wegen seiner Verurteilungen zur Wahl als Kandidat nicht zugelassen, mischt er dennoch mit. Der 41-Jährige hat zum Wahlboykott und Ende Februar sogar die EU aufgerufen, Russlands Wahl nicht anzuerkennen. Die Nichtwähler dürfte er sich am Abend des 18. März wohl gern anrechnen.

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