Werbung

Im Zeichen der Raute

Sieben Tage, sieben Nächte

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Was hat der Roman der neuen Bundesregierung voraus? Das literarische Genre vermochte es, wie Stefan Ripplinger am Beispiel Laurence Sternes zeigt, sich über sich selbst lustig zu machen, noch bevor es richtig seine Form gefunden hatte: »Bevor die großen, heute noch gelesenen Romane von Tolstoi bis Thomas Mann entstehen konnten, lachte bereits alle Welt mit ›Tristram Shandy‹ über diese Kunst.« Der gelungenste Versuch, die künftige Regierungsarbeit mit ein wenig Humor zu nehmen, kam bislang von Horst Seehofer, als er sein neues »Heimatmuseum, äh, Heimatministerium« anpries.

Doch nach seiner Ankündigung, in der guten Stube Deutschland mit einem »Masterplan für Abschiebungen« gleich gründlich durchfeudeln zu wollen, blieb das Lachen schnell im Halse stecken. Auch der Versuch des neuen Gesundheitsministers Jens Spahn, den Bezug von Hartz IV zu einem heiteren Dasein im warmen Schoße der Solidargemeinschaft umzudeuten, war nicht so lustig.

Hauptthema dieser Tage war allerdings, ob Angela Merkel mit einer vollständigen vierten Amtszeit neue Rekordbundeskanzlerin wird und ob sie womöglich schon an eine fünfte denkt. Sicher ist bisher nur, dass die Generation Merkel wächst - also die Anzahl der Menschen, die sich kaum oder gar nicht mehr erinnern können, mal von jemand anderem regiert worden zu sein. Heimliche Recherchen in einer aus Datenschutzgründen offiziell nicht existenten Geburtstagsliste des »nd« haben zutage gebracht, dass nicht wenige Kolleginnen und Kollegen in Redaktion und Verlag zumindest ihr gesamtes Erwachsenenleben mit Angela Merkel verbracht haben. Also nicht nur ohne Mauer, sondern komplett im Zeichen der Raute!

Was unweigerlich zu der Diskussion führte, ob das denn nun besser oder schlimmer sei, als in diesem Alter nur Honecker oder Kohl gekannt zu haben. Oder sind gar am wenigsten diejenigen zu beneiden, die genau in den wilden Schröder-Jahren die Erwachsenenwelt erkundeten? Bomben, Hartz IV und Dosenpfand - welch ein Einstieg in die Politik! Ist dem nicht eine schön bleierne Zeit vorzuziehen, in der die Regenten den Eindruck erwecken, als zerrten sie lediglich von Zeit zu Zeit die schweren Eisenkugeln an ihren Beinen ein Stückchen in diese oder jene Richtung?

Jedenfalls prallen hier, am Franz-Mehring-Platz 1, Welten aufeinander. Gerade erst rief eine Leserin an und meinte, der Chefredakteur müsse sich noch an Vorgänge aus den Sechzigern erinnern. Also quasi an die Zeit, bevor er richtig seine Form gefunden hatte. Aber hier kommt der Ich-Erzähler nicht erst im dritten Band zur Welt, wie bei »Tristram Shandy«. Denn leider hat der Roman auch dem Zeitungmachen einiges voraus.

Münzenbergforum

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen