Werbung

Begleitmusik für Abschiebungen

Aert van Riel über den Vorstoß von Horst Seehofer zum Islam

  • Von Aert van Riel
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Eine abstrusere Argumentation hätte sich Horst Seehofer nicht ausdenken können. Nach Ansicht des neuen Bundesinnenministers darf man auf keinen Fall den Islam als Teil Deutschlands sehen, weil ansonsten christliche Traditionen in Gefahr seien. Der CSU-Chef wird aber lange suchen müssen, bis er einen bedeutenden Interessenverband findet, der freie Sonntage, kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern, Pfingsten sowie Weihnachten hierzulande infrage stellt und diese durch Ramadan, das Opferfest und ähnliche Aktivitäten ersetzen will. Für die Bedenken, die Seehofer äußert, gibt es schlicht keine Grundlage in der Realität.

Die Debatte über den Islam in Deutschland riecht obendrein nach kaltem Kaffee. Sie ist nach den Äußerungen vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff vor Jahren mit denselben Argumenten wie heute geführt worden. Fakt ist, dass Millionen Muslime hier leben und Religionsfreiheit ein Grundrecht ist. Doch es wäre ein Fehler, wenn man die Äußerungen von Seehofer als Posse abtun würde. Denn es gibt einen ernsten Hintergrund. Die Stimmungsmache des Ministers ist die dumpfe Begleitmusik für weitere Schritte zur Entrechtung von Geflüchteten. Er will gesellschaftliche Mehrheiten für seine zentralen Aufnahmestellen gewinnen, wo faire Asylverfahren kaum noch möglich sein werden. Wer das Märchen von der drohenden Islamisierung glaubt, der wird sich leichter für Seehofers härtere Abschiebepolitik gewinnen lassen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen