»Blut-Krieg- bis-Ende«

Redepassage Xi Jinpings sinnentstellend übersetzt

Berlin. »Wir geloben einen blutigen Kampf gegen unsere Feinde« - Chinas Präsident Xi Jinping hat zum Abschluss des Nationalen Volkskongresses eine Rede gehalten, die in dieser Zeitung (Mittwochsausgabe) als »scharf« bezeichnet wurde, unter anderem wegen diesem Satz. Die Übersetzung stammte von einer Nachrichtenagentur, zahlreiche deutsche Medien haben sie übernommen.

Allerdings heißt das chinesische Original »Xuezhandaodi«, was wörtlich mit »Blut-Krieg-bis-Ende« zu übersetzen ist und in etwa »bis zum letzten Blutstropfen kämpfen« bedeutet. Der Satz fiel im pathetischen Schlusswort Xis und lautet in Gänze: »Im Geist, dass man Feinde bis zum letzten Blutstropfen bekämpfen muss, mit der Entschlossenheit, dass man - gestützt auf die eigenen Kräfte - Verlorengegangenes wiedergewinnen kann, und ausgehend vom Vermögen, dass man sich unter den Nationen der Welt behaupten kann«, habe das chinesische Volk über 170 Jahre anhaltend dafür gekämpft, um diesen großen Traum von Größe und Wohlstand, zu verwirklichen.

Xi spielte dabei auf ein geflügelten Wort Maos an, ohne es als Zitat zu kennzeichnen. Besonders ältere Chinesen werden es erkannt haben. Mao wollte damit seinerzeit sagen, dass das chinesische Volk immer aufopferungsvoll für seine Rechte eingetreten ist. Die Agenturübersetzung der Xi-Rede legte ein aggressives Auftreten nach außen als einzige Interpretationsmöglichkeit nahe. nd

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