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Himmlisch speisen im All

»Astro-Alex« bringt Spätzle mit Speck in die ISS-Wohngemeinschaft

  • Von Yuriko Wahl-Immel, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

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Käsespätzle mit Speck, Maultaschen mit Spinat, ein Linsen-Würstchen-Gericht oder Hühnerrahm-Geschnetzeltes: Der deutsche Astronaut Alexander Gerst hat seine Bestellung für die sechs Monate auf der Internationalen Raumstation bereits aufgegeben. Der Speiseplan für den ersten deutschen Kommandanten der ISS und die insgesamt sechsköpfige Crew steht. Glaubt man der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der Lufthansa-Catering-Tochter LSG Group, dürfte es »Astro-Alex« 400 Kilometer über der Erde mit 16 Standardmenüs und sechs eigens für ihn kreierten »Bonus Food«-Varianten kulinarisch an nichts mangeln.

Wenn in elf Wochen die »Horizons«-Mission startet, sind die Dosen mit indischem Hähnchen oder einem Zwetschgen-Dessert schon längst oben, sagt LSG-Koch Jörg Hofmann. Gerst habe alle Menüs vorher getestet, er sei »sehr anspruchsvoll« und möge es proteinreich.

Das mit dem vorherigen Testen ist allerdings so eine Sache: In der Schwerelosigkeit schmeckt es anders als auf der Erde, schildert Raumfahrtmediziner Guillaume Weerts in Köln bei der Präsentation des »Space Food«. »Die Geschmacksempfindungen ändern sich. Warum, ist noch nicht genau geklärt.« Jedenfalls muss am Boden kräftiger gewürzt werden, damit es im All schmeckt. Zu viel Salz wiederum ist aber medizinisch problematisch. Die Speisen - sie kommen auch aus Plastikbeuteln, die mit Wasser aufgefüllt werden - müssten zudem unbedingt alle wichtigen Nährstoffe enthalten.

Und die Mahlzeiten haben einen psychologischen und sozialen Aspekt, weiß Reinhold Ewald, der 1997 selbst ins All geflogen war. Bei »Horizons« soll das Team in einem straffen Plan wissenschaftliche Experimente durchführen. »Mag sein, dass man sich da gar nicht über den Weg schwebt.« Gemeinsames Speisen von Zeit zu Zeit sei umso wichtiger. Dafür rückt der Kommandant dann sein »Bonus Food« raus und lädt die Crew ein. Auch die anderen fünf haben ihre eigenen Container mit Lieblingsessen. Gegeneinladung dürfte also folgen. Die meisten Vorräte sind ohnehin für alle gemeinsam.

Der 41-jährige Alexander Gerst soll am 6. Juni zusammen mit dem Russen Sergej Prokopjew und der US-Astronautin Serena Auñón-Chancellor vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus abheben. Der Geophysiker war bereits von Mai bis November 2014 auf der ISS und bereitet sich gerade in Houston, Köln und Moskau auf seine zweite Mission vor. Zwischendurch hat er ein kräftiges Wörtchen bei seinem Speiseplan mitgeredet - und eine Stunde lang alles durchprobiert, wie Hofmann erzählt. Den Doseninhalt kann »Astro-Alex« kalt löffeln oder sich »kochen«. Das bedeutet in der ISS-Küche: Die Dose zwischen zwei Wärmeplatten spannen, 30 Minuten warten, auslöffeln.

Für die Crew gibt es auch Snacks, Nüsse, Getränke. Säfte, Tee und Kaffee sind in pulverisierter Form am Bord, die Astronauten geben Wasser hinzu und trinken mit Strohhalmen. Wenn sich mal Krümel oder Reiskörner selbstständig machen, werden die spätestens am Putztag wieder aufgesammelt, erläutert die ESA. Ja, auch auf der ISS werde aufgeräumt, wie in einer gut funktionierenden WG. Und wer bringt den Müll runter? Die Dosen und Päckchen werden komprimiert in Säcken verstaut und diese in einem ATV-Vehikel - also quasi einem fliegenden Müllcontainer - ins All geschickt. Dann verglüht alles in der Erdatmosphäre.

Die Ernährung der Astronauten sei immer besser und reicher an Variationen geworden, versichert Ewald. Die Zeiten mit einem unansehnlichem Etwas aus der Tube seien definitiv vorbei. Der ESA-Experte betont: »Essen hält Leib und Seele zusammen, das gilt auch ganz da oben.« dpa/nd

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