Am Ende bloßes Rauschen

Stephan Fischer über Facebook und den Datenkapitalismus

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 1 Min.

Der Skandal um die Facebook-Daten offenbart Zerstörungspotenzial: gesellschaftliches und unternehmerisches. Für Facebook selbst, da das Unternehmen entweder die Sprengkraft seiner Datensammlung unterschätzt hat und jetzt wie Goethes Zauberlehrlinge vor ihrem unkontrollierbaren Werk stehen. Oder es war schlicht egal. Oder man kam gar nicht darum herum, weil die profitable Verwertung ihrer Datensammlung schlicht immer notwendiger wurde, da ein Wachstum bei einer endlichen Nutzerzahl an ein Ende stößt.

Datenverknüpfungen und Algorithmen, die Nutzern lustige Katzenvideos und zielgerichtete Werbung einspielen, können ebenso für politische Zwecke genutzt werden, sogar sehr effektiv. Und sie wurden und werden es. Und hier liegt die gesellschaftliche Sprengkraft: Für viele ist Facebook zur einzigen Nachrichtenquelle geworden, da sie traditionellen Medien nicht mehr trauen. Dabei bekommt man auf dem Netzwerk gar keine Nachrichten, sondern individuell und zielgerichtet emotionale Reize serviert. Aber wer wird schon gerne manipuliert? Viele lehnen Facebook komplett ab, andere füttern es mit falschen Informationen, denen andere wiederum blind trauen. Und aus diesen falschen, verzerrten und lückenhaften Daten generieren Algorithmen neue Reize. Jeder täuscht und glaubt sich selbst der Täuschung überlegen. Das generiert aber keine Öffentlichkeit oder gar Gesellschaft mehr. Das ist für jeden bloßes Rauschen ohne Sinn und Nutzen.

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