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Galaktische Gegnerschaft

Gegen Spanien und Brasilien starten die DFB-Männer ins WM-Jahr, auch die Rivalen treffen auf starke Konkurrenz

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 4 Min.

Fußball ist ein universelles Spiel. Sogar in der Erdumlaufbahn wird die Weltmeisterschaft hier unten genau verfolgt werden: Astronaut Alexander Gerst twitterte just ein Foto von einem goldenen Stoffstern, den er wohl zum Aufbügeln aufs DFB-Trikot mitnehmen will, wenn er im Juni auf seine fünfmonatige Mission als Kommandant der Internationalen Raumstation ISS geht: «L-81 Tage. @DFB_Team Soll ich den Stern nicht vielleicht doch lieber einpacken, oder denkt ihr, ich werde ihn nicht brauchen?» fragte @Astro_Alex« in Richtung Titelverteidiger.

Noch 81 Tage bis zum Start (Lift-off) hatte Gerst also beim Twittern noch vor sich, eine Antwort vom DFB-Team bekam er noch nicht: Wie für die anderen 31 Mannschaften, die im Sommer zur Fußball-WM 2018 in Russland reisen dürfen, sind es auch für die deutsche Nationalmannschaft am Freitag noch lange 83 Tage, ehe die Endrunde am 14. Juni beginnt. Diesen Freitag beginnt der erste FIFA-Länderspielzyklus des WM-Jahres - für die Trainer der Teilnehmer beinahe schon die letzten Gelegenheiten, neue Taktiken und neue Akteure unter Länderspielbedingungen auszuprobieren.

Der noch amtierende Weltmeister hat sich zum Testen zwei absolute Titelkandidaten ausgesucht. Am Freitag geht es für die DFB-Elf in Düsseldorf vor 50 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena gegen Spanien (Weltmeister 2010, Europameister 2008 und 2012). Am kommenden Dienstag wird in Berlin dann die brasilianische Auswahl zu Gast sein.

Sollte Joachim Löws Elf in diesen beiden Spielen nicht verlieren, wäre eine Serie seines Vorgängers Jupp Derwall egalisiert, der bis 1980 23 Spiele in Folge ohne Niederlage blieb. Löw schert das wenig: »Wir müssen immer gegen die Besten antreten, wenn wir uns weiterentwickeln wollen«, sagte Löw bei einer Pressekonferenz. »Daher sind Spanien und Brasilien die besten Gegner.«

Torwart Marc-André ter Stegen, der wieder den verletzten Manuel Neuer zwischen den Pfosten vertreten wird, warnte denn auch am Donnerstag pflichtschuldig vor dem Ex-Europameister: »Der Kader von Spanien ist gespickt mit Weltklassespielern, aber wir sind gut vorbereitet.«

Die Spanier hatten zuletzt gleich zwei sportpolitische Problemstellungen im Verband zu lösen. Zum einen den Katalonienkonflikt im Nationalteam, der aber mittlerweile zumindest in der Mannschaft als ausgeräumt gilt. Zum anderen drohte im Dezember eine Sperre durch die FIFA, nachdem die nationale Sportbehörde CSD wegen des korruptionsverdächtigen Ex-Verbandspräsidenten Angel Maria Vilar Neuwahlen im Fußballverband gefordert hatte. Die Statuten der FIFA untersagen jegliche »staatliche Einflussnahme« auf die nationalen Fußballverbände, und sei es wegen Korruption. Doch die FIFA gab Entwarnung.

Die Mannschaft um Kapitän Sergio Ramos misst sich ebenfalls mit den Besten: Nach dem Spiel gegen die DFB-Auswahl ist am Dienstag Vizeweltmeister Argentinien in Madrid zu Gast. Leo Messi und Co. wiederum treten zuvor am Freitag im Stadion von Manchester City gegen Italien an - zwar kein WM-Teilnehmer, dennoch nicht einfach zu bezwingen.

Andere WM-Teams testen gegen Mannschaften, deren Spielweise jeweils den ersten Gruppenspielgegnern entspricht: Europameister Portugal, der in Russland auf Marokko treffen wird, testet gegen Ägypten. Frankreich, das im Sommer Peru besiegen will, spielt gegen Kolumbien. Polen tritt gegen Nigeria an, bei der WM müssen Robert Lewandowski und Kollegen gegen Senegal ran.

Gastgeber Russland hingegen, der am 14. Juni im Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien mit einem Sieg ins Turnier starten will, misst sich mit Großen. Am Freitag geht es gegen Brasiliens Seleção, am Dienstag ist der EM-Finalist von 2016, Frankreich, der Kontrahent.

Noch immer herrschen im Land größte Zweifel, dass die eigene Elf beim Weltturnier mithalten kann, vor allem angesichts des harmlosen Auftretens der Mannschaft beim Confed Cup 2017. Erst am Sonntag hatte sich die Sbornaja Spott zugezogen, als sie am Tag der Präsidentschaftswahl bei der allgemeinen Mobilmachung des Wahlvolkes mitmachte: »Wir fahren wählen!«, hieß es auf dem Twitterkonto der russischen Auswahl, daneben war Foto zu sehen, auf dem die Spieler in den Mannschaftsbus steigen. »Hauptsache, ihr trefft die Urne!« witzelte einer. »Das ist doch das einzige, was diese Holzfüße treffen!«, ätzte ein anderer.

Schwerer trafen aber die Vergleiche, die derweil aus Großbritannien zu vernehmen waren: Außenminister Boris Johnson schloss sich der Meinung eines Abgeordneten an, der gesagt hatte, Präsident Wladimir Putin nutze die WM »wie Hitler die Olympischen Spiele 1936«. Die Russen reagierten empört auf den Hitler-Vergleich, Außenamtssprecherin Maria Sacharowa nannte Johnsons Äußerungen »nicht hinnehmbar und eines europäischen Außenministers nicht würdig«. Johnson hatte bereits einen Boykott wegen des unaufgeklärten Giftanschlags auf einen russischen Ex-Agenten in Salisbury gefordert.

In Sachen Stadionbau gibts auch Ärger: In Samara bestehe noch ein »deutlicher Verzug«, beklagten die FIFA-Inspekteure. Die Russen versprachen Fertigstellung bis Mai und versuchten derweil, mit Weltraumfolklore abzulenken: Sie schickten einen WM-Ball mit der Sojus zur ISS, Das Spielgerät soll bis Juni zurück auf der Erde sein und beim Eröffnungsspiel zum Einsatz kommen.

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