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Udo Bullmann ist neuer Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (EP). Kommissarisch leitete er die mit 188 Mitgliedern zweitgrößte Gruppe bereits seit einigen Monaten, nachdem der italienische Politiker Gianni Pittella in die nationale Politik gewechselt war. In der Abstimmung setzte sich Bullmann nun mit 86 zu 61 Stimmen gegen die Belgierin Kathleen Van Brempt durch. Damit werden vier größere Fraktionen von Deutschen geführt, was einige in Brüssel auch zu Unmutsäußerungen verleitete. Doch der 61-Jährige, der zugleich EU-Beauftragter im SPD-Parteivorstand ist, versichert, er werde nicht als verlängerter Arm der deutschen Regierung agieren. »Ich bin europäischer Sozialist und so werde ich mich in der Führung meiner Fraktion auch verhalten.« So wolle er gegen die steigende Ungleichheit angehen, die Arbeitslosigkeit in Ost- und Westeuropa verringern sowie der Migration mit »Würde und Menschlichkeit« begegnen, kündigte er an.

Bullmann, der schon seit 1999 dem Europaparlament angehört, gilt als enger Vertrauter von Martin Schulz. Gemeinsam hatten sie die Europa-Passagen im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung verhandelt. Im Wirtschaftsausschuss setzte sich der zweifache Vater für eine strengere Regulierung der Finanzmärkte oder auch für die Rechte der Beschäftigten in der Europäischen Zentralbank ein, die auch durch den Einsatz von Leiharbeit vor einigen Jahren für Proteste sorgte.

Bullmann ist dennoch hierzulande wenig bekannt - das Schicksal von Politikern, die seit bald 20 Jahren in Brüssel arbeiten, wohl aber auch ein Zeichen dafür, dass er sich nicht gerade als Vorkämpfer für eine Neuausrichtung der europäischen Politik hervorgetan hat. Denn auch wer sich für die Abläufe in Europa näher interessiert, erlebt keinen Aha-Effekt, wenn der Name des Sozialdemokraten fällt. Gleichwohl gilt Bullmann als »anständiger Typ«, auch unter Linken im Europaparlament. »Weder Jeremy Corbyn, noch Olaf Scholz, irgendwas dazwischen«, ist über ihn zu hören.

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