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Judenhass an der Grundschule

In Tempelhof wurde ein Mädchen aufgrund ihrer Religion mehrfach bedroht

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»Antisemitismus an Berliner Schulen ist ein Problem«, sagt die Antidiskriminierungsbeauftragte für die Berliner Schulen, Saraya Gomis. Schulen seien ein Spiegelbild der Gesellschaft, dementsprechend gebe es an Schulen ebenso Antisemitismus wie überall sonst. Wie groß das Problem ist, zeigen die Zahlen: Allein aus dem vergangenen Jahr liegen Gomis zwölf Fälle von Antisemitismus an Berliner Schulen vor. »Das ist nur die Spitze des Eisbergs«, ist sie überzeugt. Studien würde zeigen, dass sich nur rund zwei Prozent der Betroffenen melden würden.

Am Wochenende war ein antisemitischer Vorfall an der Paul-Simmel-Grundschule in Tempelhof bekannt geworden. Die »Berliner Zeitung« berichtet von einer Schülerin, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von muslimischen Mitschüler*innen bedroht worden sein soll. Seit etwa drei Jahren komme es an der Schule zu religiös motivierten Bedrohungen, zuletzt Ende Februar. Das berichtet der Vater des Mädchens. Einmal soll seine Tochter gar mit dem Tode bedroht worden sein, weil sie nicht an Allah glaube.

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bestätigt, dass die entsprechende Schülerin kurz vor den Ferien von einem Jungen gefragt wurde, ob sie jüdisch sei. Danach habe der Junge mehrfach laut »Jude« gerufen. Nach Anhörung der Beteiligten seien die Eltern des Jungen einbestellt worden.

Zuvor habe die Schule Kenntnis davon erhalten, dass zwei Schüler in einer WhatsApp-Gruppe der Klasse ein Enthauptungsvideo eingestellt haben. Die Handys der Schüler seien daraufhin beschlagnahmt sowie ein Gespräch mit deren Eltern und der Polizei geführt worden. In einem Elternbrief sei darüber informiert worden.

»Wir dulden keinerlei Diskriminierung und nehmen jeden Fall sehr ernst«, betonte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag. In dem konkreten Fall müsse »konsequent gehandelt werden«. Schule, Eltern, Schulaufsichten, die Antidiskriminierungsbeauftragte und die Präventionsbeauftragten der Polizei würden eng zusammenarbeiten. Nach den Ferien, gegebenenfalls auch schon in den Ferien, solle es gemeinsame Gespräche geben.

Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg kritisiert, dass der Schulausschuss der BVV entgegen den Regeln nicht informiert worden sei. Man werde sich in der nächsten BVV-Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Die Probleme müssten offen angesprochen und alle verfügbaren Instrumente genutzt werden. Die Eltern sowie die benachbarten Moschee-Gemeinden müssten in die Verantwortung genommen werden.

Der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, sieht hingegen die Schule in der Verantwortung. »Es muss klar gestellt werden, dass so etwas nicht toleriert wird.« Schulleitung und Lehrkörper müssten sich klar auf die Seite des Opfers stellen und dieses schützen.

Weil Antisemitismus an Schulen ein immer größeres Problem sei, wechselten immer mehr jüdische Schüler*innen an jüdische Schulen. »Oft verlassen die Opfer die Schule und die Täter bleiben«, kritisiert Königsberg. So auch im vergangenen Jahr, als an der Gemeinschaftsschule Friedenau ein jüdischer Junge monatelang von Mitschüler*innen antisemitisch angegriffen wurde. Die Schule legte den Eltern daraufhin nahe, den Jungen abzumelden, was sie auch taten.

Für Königsberg liegt das Problem darin, dass solche Vorfälle in der Lehramtsausbildung überhaupt nicht berücksichtigt würden und Lehrer*innen dementsprechend über keine Methoden der Prävention und Intervention verfügten. Nötig seien entsprechende fächerübergreifende Fortbildungen für Lehrkräfte, um diese zu stärken und zu sensibilisieren.

Scheeres kündigte am Montag an, derartige Maßnahmen weiter auszubauen. Seit Neuestem gebe es Kooperationen mit Yad Vashem und dem American Jewish Committee. Dabei gehe es insbesondere darum, Lehrkräfte zu unterstützen, Unterrichtsmaterialien bereitzustellen und Strategien zu entwickeln, wie dem Problem in der Schule begegnet werden könne.

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