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Freiburger Freigeister

Das »informationszentrum 3.welt (iz3w)« in der Stadt am Breisgau wird 50 Jahre alt

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Wer nahe der Dreisam in die Kronenstraße 16a einbiegt, stößt auf ein »Hinterhofbiotop« der besonderen Art. Mitten in dem beschaulichen Städtchen Freiburg im Breisgau befindet sich hier das iz3w (informationszentrum 3.welt). Dieses gibt nicht nur die gleichnamige Zeitschrift heraus, sondern stellt mit seinen Bildungsprojekten und einem umfangreichen Archiv eine der wichtigsten Adressen für kritische, differenzierte Nord-Süd-Arbeit im deutschsprachigen Raum dar. Dieser Tage feiert das Urgestein der westdeutschen Solidaritätsbewegung mit Afrika, Asien und Lateinamerika seinen 50. Geburtstag.

Das iz3w blickt auf ereignisreiche Jahre zurück, in denen sich manches, aber längst nicht alles verändert hat. »Die größte Kontinuität sehe ich in der kapitalismuskritischen Haltung und der Ablehnung jeder Form von Kolonialismus«, sagt Christian Stock, der seit 1995 in der Redaktion arbeitet. Den Versprechungen der Marktideologie sei noch keine Generation im iz3w erlegen, ebenso wenig der Verharmlosung des Kolonialismus und seiner verheerenden Folgen.

Entgegen dem Zeitgeist hält sich auch die Bezeichnung »3.welt« bis heute im Namen. Das iz3w bekennt sich zu der fortschrittlichen Bedeutung des Begriffs, die sich ursprünglich vom 3. Stand ableitete, der sich in der Französischen Revolution von feudaler Unterdrückung befreit hatte.

Doch darüber hinaus gab es immer wieder Änderungen in der politischen Ausrichtung. Im Frühjahr 1968 gründeten ein paar Freiburger Studierende zunächst die Aktion Dritte Welt (ADW), 1970 erschienen erstmals die »Blätter des iz3w«, die zu ihren Hochzeiten eine Auflage von etwa 8000 Exemplaren erreichten. Der reformistische Ansatz der ersten Jahre, in denen das iz3w die Entwicklungshilfe »verbessern« wollte, wich in den 1970ern entwicklungskritischen Positionen und der (häufig nicht sehr kritischen) Solidarisierung mit antiimperialistischen Befreiungsbewegungen. In der Folge fanden auch antiamerikanische und antisemitische Artikel ihren Weg ins Heft, von denen sich die Redaktion heute in aller Form distanziert. »Am deutlichsten geändert hat sich die Haltung zum Israel-Palästina-Konflikt«, erzählt Christian Stock. »In den 1970er und 80er Jahren gab es einige unsägliche Beiträge mit Überschriften wie ›Israel - Holocaust an den Palästinensern‹. Wir entschuldigen uns bei allen, die darin zu Recht eine Relativierung der nationalsozialistischen Judenvernichtung sehen.«

Ab Ende der 1980er Jahre arbeitete die Redaktion die eigene Geschichte in langwierigen Diskussionen auf und sieht seitdem Kritik an Ideologien und nationalistischen Konzepten als integralen Bestandteil des politischen Selbstverständnisses an. »Wir fühlen uns keiner Strömung der Linken verpflichtet«, bringt es Stock auf den Punkt. »Wir bleiben Freigeister«.

Heute steht die Zeitschrift für gut redigierte, analytisch-hintergründige Artikel, die niemals abgehoben, sondern immer gut verständlich aufbereitet sind. Insgesamt haben sich in den 50 Jahren etwa 500 Leute im iz3w engagiert und 5000 Autorinnen und Autoren Artikel verfasst, ohne jemals ein Honorar zu bekommen.

15 Leute arbeiten heute fest unter dem Dach des verwinkelten Hinterhauses, davon fünf in der Redaktion. Die meisten haben noch einen Zweitjob, große finanzielle Sprünge sind bei dem selbstverwalteten Projekt nicht drin. Wie andere linksalternative Zeitschriften ist iz3w auf eine Steigerung der Abozahlen angewiesen, um mittelfristig zu überleben. Zu den 2200 aktuellen sollen mindestens 500 Neuabos hinzukommen, so die Zielsetzung. Doch wird im Jubiläumsjahr vor allem auch gefeiert. Neben einer Geburtstagsgala im April und einem Open Air-Festival im Juni sind unter dem Motto »iz3w on tour« auch außerhalb von Freiburg Veranstaltungen geplant.

Nähere Infos zum Jubiläum: https://www.iz3w.org

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