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Nicht mehr sparen bis es bröckelt

Verkehrssenatorin Günther nimmt Abbau der »Infrastrukturschulden« in Angriff

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ab Mai beginnen die Bauarbeiten für die Verkehrswende auf der Karl-Marx-Allee in Mitte. Mit zwei Jahren Verzögerung startet die Neugestaltung der Magistrale zwischen Alexanderplatz und Strausberger Platz. Bis zu vier Meter breite, geschützte Radstreifen sollen angelegt werden, zuzüglich eines 1,50 Meter breiten Sicherheitsstreifens zum Autoverkehr.

Der Platz wird unter anderem durch den künftig mit zehn Meter deutlich schmaleren Mittelstreifen gewonnen - und den Wegfall einer Autospur. Parkplätze sollen nach Ankündigung der Senatsverkehrsverwaltung keine wegfallen. Die reduzierte Stellfläche in der Straßenmitte wird durch neue Parkplätze am Straßenrand kompensiert. Dort, wo derzeit noch eine dritte Fahrspur pro Richtung angeordnet ist. 13,2 Millionen Euro sollen die Maßnahmen kosten, die Fertigstellung ist für Ende 2020 geplant, noch rechtzeitig vor der nächsten Abgeordnetenhauswahl.

Der Umbau ist ein Teil der »guten Nachricht«, die Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Montag zu vermelden hat. 52 Millionen Euro, ein Viertel mehr als noch 2017, will ihre Verwaltung dieses Jahr in die Instandsetzung von Straßen, Brücken und Wasserstraßen investieren. »Über 20 Jahre wurde zu wenig investiert«, sagt Günther. Dies seien »Infrastrukturschulden«, die nun abgebaut werden müssten.

Zwei schlechte Nachrichten hat sie dann doch noch für die Berliner. Denn natürlich bedeute das mehr Baustellen. Und erst wenn es »signifikant« gelinge, offene Planerstellen zu besetzen könne die Hauptstadt effizient beim Instandhaltungsrückstau gegensteuern. Doch »Fachkräfte sind Mangelware«, wie die Senatorin einräumt.

Der Ersatzneubau der Rhinstraßenbrücke am S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost sowie der Köpenicker Salvador-Allende-Brücke sind die beiden größten Brocken. 18 Millionen Euro kostet der Neubau in Friedrichsfelde, zu 90 Prozent bezahlt mit sogenannten GRW-Mitteln, dem Bund-Länder-Programm »Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur« für strukturschwache Regionen. Nahverkehrsnutzer werden profitieren: Nach der Fertigstellung im dritten Quartal 2020 wird es einen direkten Übergang von der Straßenbahn zur S-Bahn geben. Für die neue Allendebrücke werden sogar 37 Millionen Euro fällig. Obwohl sie mit dem Baujahr 1981 vergleichsweise jung ist, nagt der Betonkrebs an ihr. Mitte 2021 sollen hier die Maßnahmen abgeschlossen sein.

In der zweiten Jahreshälfte 2019 soll auch endlich die direkte Fußgängerbrücke zwischen U- und S-Bahnhof Warschauer Straße fertig sein. Stolze 2,2 Millionen Euro kosten die knapp 28 Meter Brücke. Allein der schon 2016 gebaute Brückenpfeiler zwischen den Bahngleisen habe wegen der vorgeschriebenen Anprallsicherheit 500 000 Euro gekostet, begründet Lutz Adam, Leiter der Tiefbauabteilung in der Verkehrsverwaltung, den hohen Preis.

Marion Haß, Geschäftsführerin Wirtschaft und Politik bei der Industrie- und Handelskammer, begrüßt, dass nun mehr Geld in die Straßen investiert werde, warnt aber vor »massiven Einschränkungen für den Verkehr«. Sie kritisiert die zeitgleich terminierten Bauarbeiten auf der Pankower Autobahn A114 und der parallelen B2 in Malchow: »Ohne zusätzliche Umfahrungsmöglichkeiten und Entlastungsstrecken droht der gesamte Berliner Norden dauerhaft zur Staufalle zu werden.«

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