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  • Berlin
  • »Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen«

Staatsschutz ermittelt nach Stromausfall

Betroffene Haushalte in Charlottenburg wieder am Netz / Linksradikale Gruppe bekennt sich im Internet zur Tat

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nach dem Stromausfall am Montagnachmittag, bei dem rund 6500 Haushalte und 400 Gewerbeeinheiten im Norden Charlottenburgs über Stunden ohne Strom waren, hat der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Man prüfe derzeit die Echtheit eines im Internet aufgetauchten Bekennerschreibens, wie eine Polizeisprecherin am Dienstag mitteilte.

Eine linksradikale Gruppierung mit dem Namen »Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen« hatte sich auf der Internetplattform »Indymedia« dazu bekannt, mehrere Kabelverbindungen unterhalb der Mörschbrücke in der Nähe des Bahnhofs Jungfernheide angezündet zu haben. Man habe »gezielt Kabel durchtrennt«, um damit dem Betrieb am Flughafen Tegel und die Netzverbindungen im Regierungsviertel lahmzulegen. Man habe mit dem Anschlag gezielt die vom »Militär und seinen Dienstleistern, der Flugbereitschaft der Bundesregierung, der Verwaltung des Landes Berlin, Großkonzernen, Internet-Knotenpunktbetreibern und dem Flughafen Tegel« treffen wollen, wie es wörtlich in dem Bekennerschreiben heißt.

Nach Angaben von Stromnetz Berlin war die Ursache für den Stromausfall ein Brand an acht 10 000 Volt-Kabeln, die samt der dazugehörigen Reservekabel zerstört wurden. Die betroffenen Haushalte und Gewerbe im Viertel rund um den Mierendorffplatz konnten bereits am Montagabend wieder ans Stromnetz angeschlossen werden. Ursprünglich hatte es geheißen, dass die Reparaturmaßnahmen bis in die frühen Morgenstunden des Dienstags andauern könnten. Der Betrieb am Flughafen Tegel war von dem Kabelbrand nicht betroffen. »Der Flughafen ist gut abgesichert«, sagte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf dem »rbb«. Auch im Regierungsviertel kam es zu keinen nennenswerten Einschränkungen.

Berliner Politiker zeigten sich über den mutmaßlichen Kabelbrand-Anschlag bestürzt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, dass Anschläge auf das Stromnetz alle Bürger treffen würden. »Wer wissentlich das Leben von zum Beispiel Patienten in Krankenhäusern gefährdet oder riskiert, dass es im Straßenverkehr Unfälle gibt, der muss konsequent bestraft werden«, forderte Müller.

Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, sprach von einem »feigen Anschlag«. »Es kann keinerlei politische Gründe für eine derartige Attacke auf unsere gemeinsame Infrastruktur geben«, sagte Lux. Die Stromnetzbetreiber müssten prüfen, ob die Sicherheitsmaßnahmen an sensiblen Kabelanlagen wie an der Mörschbrücke erhöht werden könnten.

Auch der Innenexperte der Linksfraktion, Hakan Taş, verurteilte den Anschlag. »Für Taten, die die Sicherheit und das Leben von Menschen gefährden, darf es keinerlei Verständnis oder gar Sympathien geben«, sagte Taş. Dass der Flughafen Tegel und Krankenhäuser in der Umgebung nicht von dem Stromausfall betroffen waren, bezeichnete er als Erfolg des bestehenden Sicherheitskonzepts.

In Berlin haben linksradikale Täter wiederholt Brandattacken auf Kabelanlagen verübt. Im Oktober 2010 und Mai 2011 war jeweils das Schienennetz betroffen. Tausende Zugreisende waren damals von Ausfällen im Nah- und Regionalverkehr betroffen.

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