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Hermann, genau so machen wir es!

nd-Leserreisen zu den Strittmatters nach Schulzenhof und zu Hermann Kant nach Prälank

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zu Hause bei Hermann Kant in Prälank bei Neustrelitz
Zu Hause bei Hermann Kant in Prälank bei Neustrelitz

Das wird eng, wenn ein großer Reisebus vor dem Gehöft in Schulzenhof parkt und vierzig, fünfzig Leute dann auch noch Einlass begehren. Bei aller Gastfreundschaft, Eva und Erwin Strittmatter hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Aber ihr Sohn Jakob, der das Anwesen weiter unterhält und an den Wochenenden auch nutzt, hat sich zu einer Führung bereit erklärt. Freilich, mehr als zehn Personen auf einmal passen nicht in die engen Räume. Die anderen können es sich, bei hoffentlich schönem Wetter, im Garten bequem machen oder mit mir auch einen kleinen Spaziergang unternehmen - zum Friedhof gegenüber, wo Eva und Erwin Strittmatter neben ihrem Sohn Matti begraben sind, und auch auf Wegen durch den Wald, wo Eva Strittmatter so oft Inspirationen für ihre Gedichte suchte.

Der Besuch in Schulzenhof wird ein Höhepunkt der nd-Leserreise am 26. Mai sein. Vorher fahren wir in Neuruppin vorbei, wo Eva Strittmatter am 8. Februar 1930 zur Welt gekommen ist. Das Haus, in dem sie aufwuchs - eine Gedenktafel erinnert daran - können wir nur von außen sehen, denn es ist bewohnt. Einen kleinen Spaziergang werden wird durch den Neuruppiner Tempelgarten unternehmen und anschließend zu Mittag essen.

Nach dem Besuch in Schulzenhof kommen wir dann an der Kaffeetafel zusammen, wo ich Gelegenheit habe, ausführlicher über meine Begegnungen mit Eva Strittmatter zu sprechen und, hoffentlich, viele Fragen zu beantworten. Aber wir sind ja den ganzen Tag zusammen - und am Abend, das verspreche ich, werden Sie nicht nur viel über das Leben der beiden Schriftsteller erfahren haben, Sie werden auch unvergessliche Eindrücke mit nach Hause nehmen.

Wussten Sie, dass die Strittmatters mit Hermann Kant befreundet waren und dass Eva besonders nach dem Tod ihres Mannes jeden Abend zu einer bestimmten Zeit von ihm angerufen wurde? Durch Krankheiten ans Bett gefesselt, erwartete sie diesen Gedankenaustausch voll Vorfreude. Beide sind ja, bis ins hohe Alter, literarisch und politisch interessiert gewesen. Da tauschte man nicht nur Erinnerungen aus, sondern verständigte sich auch über aktuelles Geschehen. Eva Strittmatter: eine Frau mit entschiedenem Urteil. Hermann Kant: mit stilistischer Brillanz, auch im Mündlichen, über den Dingen stehend. Ich habe es selbst erfahren: Durch seine Urteilskraft wurde man über den Alltag herausgehoben, durch seinen Humor fühlte man sich befreit.

»Na, das lass mal sein«, hätte er gesagt, wenn ich einen ganzen Bus voller begeisterter Kant-Leser zu seinem Geburtstag am 14. Juni bei ihm angekündigt hätte. Aber dann wieder allein, froh über die Stille seines Hauses am See, hätte er doch in sich hineingelächelt. Da denken also Leute noch an ihn. Am literarischen Wert seines Werkes zweifelte er nicht, doch mangelte es ihm durchaus an öffentlichem Zuspruch.

Kants Gehöft in Prälank: Leider, es wird abgeschlossen sein, denn es ist schon den Besitzer gewechselt. Nach Kants Willen soll der Erlös aus dem Verkauf zwischen seinen Kindern aufgeteilt werden. Nach einem Blick über den Zaun werden wir zum nahe gelegenen Friedhof gehen. Etwas Schmückendes für das Grab wird willkommen sein. So hatte er es sich auch gewünscht: Statt eines großen Begräbnisses mit pflichtgemäßen Trauergästen, sollte jeder, der an ihn denkt, mal »bei ihm vorbeischauen«, wenn Gelegenheit ist.

»Und eine Dampferfahrt in Neustrelitz sollt ihr machen«, höre ich ihn sagen. »Geht am Nachmittag bei Dagmar Wenndorff vorbei. Im Kulturstall Userin habe ich auch mehrmals gelesen.« - »Werden wir machen, Hermann. Kaffee und Kuchen gibt es dort im Garten, wie schon im vorigen Jahr. Was meinst du, was für ein Kuchenbuffet die Dagmar da mit ihren Freundinnen gezaubert hat. Und danach gehen wir in den Kulturstall und reden über dich.« - »Nur Gutes hoffentlich.« - »Keine Sorge. Aber unser letztes Interview, das noch nicht gedruckt ist, lese ich vor.«

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