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Letzte Chance für Mumia Abu-Jamal

Bürgerrechtler kämpft um Öffnung seines Falles

  • Von Birgit Gärtner
  • Lesedauer: 2 Min.

Larry Krasner galt als Hoffnungsträger: Der seit 30 Jahren als Strafverteidiger arbeitende Jurist versprach im Vorfeld seiner Berufung zum Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia, Masseninhaftierungen zu beenden, umstrittene ältere Urteile zu überprüfen und gegebenenfalls juristische Konsequenzen folgen zu lassen, und »niemals die Todesstrafe zu fordern«. Auch das Anwaltsteam des inhaftierten afro-amerikanischen Publizisten Mumia Abu-Jamal setzte auf ihn.

Der preisgekrönte Radioreporter und Vorsitzende der Vereinigung schwarzer Journalisten Philadelphias Abu-Jamal geriet in der Nacht des 9. Dezember 1981 in eine Schießerei, an der eine unüberschaubare Anzahl von Personen - Zivilisten und Polizeibeamte - beteiligt war, die für den Polizisten Daniel Faulkner tödlich endete. Abu-Jamal wurde wegen Mordes an Falkner verurteilt. Bis heute beteuert er seine Unschuld, die vor Gericht zu beweisen wird ihm aber seit Jahrzehnten verweigert. Das, so die Hoffnung, solle sich durch Krasner nun ändern.

2016 gab der Oberste Gerichtshof der USA, der Supreme Court, dem Langzeit-Gefangenen Terrance Williams Recht, der beklagte, dass das Verfahren gegen ihn nicht fair war, weil der ehemalige Staatsanwalt von Philadelphia, Ronald Castille, in verschiedenen Instanzen daran beteiligt war. Das veranlasste das Anwaltsteam von Abu-Jamal und elf weiteren Häftlingen, ebenfalls eine Klage einzureichen.

Der nun zuständige Richter verlangt schriftliche Beweise, aus denen hervorgeht, dass Castille von Beginn an in das Verfahren involviert war, zunächst als leitender Staatsanwalt unter Bezirksstaatsanwalt Edward Rendell, später als Richter des Obersten Gerichtshofs von Pennsylvania. Doch es ist zu befürchten, dass die Dokumente nicht eingereicht werden, der Richter den Antrag Abu-Jamals ablehnt und eine - vermutlich letzte - Chance, dessen Unschuld zu beweisen, vertan ist.

Entsprechende Dokumente hält die Bezirksstaatsanwaltschaft allerdings unter Verschluss. Dann kam Krasner ins Spiel, der versprach gründlich aufzuräumen. Doch bislang fand sich kein entsprechendes Schriftstück ein. Zwei vom Richter gesetzte Termine verstrichen, ohne dass dem Ansinnen nachgekommen wäre. Ende April soll im Rahmen einer öffentlichen Anhörung über den Antrag Mumia Abu-Jamals entschieden werden.

Die US-amerikanische Free-Mumia-Bewegung hat eine Unterschriftenaktion initiiert, um der Staatsanwaltschaft, namentlich Krasner, Druck zu machen, am 30. April 2018 ein konkretes Schriftstück vorzulegen. Denn Hoffnungsträger Krasner hat sich offenbar schnell dem Behördenapparat der Bezirksstaatsanwaltschaft Philadelphias angepasst. Die Todesstrafe schließt er jüngsten Verlautbarungen zufolge nicht mehr völlig aus, und in den Beirat seiner Behörde berief er einen alten Bekannten: Ronald Castille.

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