Werbung

Mainz setzt auf kostenlose Ausbildung

Rheinland-Pfalz beklagt einen Mangel an Physiotherapeuten

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Mainz. Nicht nur bei Ärzten müssen Patienten oft lange auf einen Termin warten, auch bei Physiotherapeuten passen Angebot und Nachfrage in Rheinland-Pfalz nicht zusammen. Derzeit gibt es im Land 1100 Fachkräfte zu wenig - das berichtet Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) in ihrer Antwort auf eine Große Anfrage der CDU-Fraktion. Außer in der Westpfalz fehlten überall im Land 13 bis 14 Prozent, um die Nachfrage komplett abzudecken.

Die Versorgung ist laut Landesregierung trotzdem gedeckt: Die ansässigen Physiotherapeuten arbeiteten mehr, als sie sollten. Das bestätigt Dagmar Schlaubitz von Physio-Deutschland, Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland. »Die Arbeitsbelastung ist einfach irrsinnig«, sagte sie. »Physiotherapeuten sind dem Menschen mehr zugeneigt. Wenn Patienten zu uns kommen, sagen wir: Ich schiebe es noch in die Mittagspause, ich hänge es noch hintendran.«

Aktuell gibt es in Rheinland-Pfalz 2121 selbstständige Physiotherapeuten, das sind 16 Prozent mehr als im Jahr 2008. Außerdem gibt es 7141 angestellte Physiotherapeuten - hier beträgt der Zuwachs 15 Prozent seit dem Jahr 2013. Trotzdem hätten viele ihrer Kollegen zahlreiche Überstunden aufgebaut, sagte Schlaubitz. »Weil keiner dazu kommt, sie abzufeiern.« Und trotz des Einsatzes müssten Patienten zum Teil vier bis sechs Wochen auf einen Termin warten. Neue Termine für Hausbesuche gebe es fast gar nicht mehr oder nur mit entsprechend langen Wartezeiten.

Der Bedarf an Physiotherapie nimmt durch die steigende Zahl älterer, chronisch Kranker seit Jahren zu. Nach Ansicht der Ministerin dürfte die Bedeutung physiotherapeutischer Leistungen wegen der alternden Bevölkerung in Zukunft weiter wachsen. Um die Fachkräftelücke nicht größer werden zu lassen, setzt die Landesregierung auf eine Ausbildung ohne Schulgeld. So habe die Zahl der Auszubildenden im vergangenen Jahrzehnt um 43 Prozent gesteigert werden können.

Schlaubitz lobt die Anstrengungen der Landesregierung. Die Hoffnung sei, dass es durch die Schulgeldfreiheit etwas besser werde. Doch an den Rahmenbedingungen - dem Arbeitsdruck und dem Gehalt - ändere sich dadurch nichts. Ein Berufseinsteiger in der ambulant tätigen Praxis beginne mit etwa 1800 Euro brutto; oft seien Physiotherapeuten von Altersarmut bedroht. Viele dächten daran, aus dem Beruf auszusteigen.

Die dem Ministerium vorliegenden Berechnungen kommen zum Schluss, dass die Zahl von derzeit rund 1600 Auszubildenden jedes Jahr um rund 100 gesteigert werden muss, um die prognostizierten Lücken zum größten Teil über Ausbildung zu schließen. Das soll erreicht werden, indem bis zum Schuljahr 2020/2021 keine private Physiotherapieschule mehr Geld verlangt. Derzeit macht das noch fast die Hälfte. An den privaten Schulen wird ein monatliches Schulgeld in Höhe von durchschnittlich rund 400 Euro pro Schüler erhoben.

Außerdem hält die Landesregierung die Ausbildung in der Physiotherapie nicht mehr für zeitgemäß. Die Verordnung aus dem Jahr 1994 entspreche nicht mehr dem Stand der Forschung, und die Lerninhalte passten nicht zum heutigen Beruf. Das land Rheinland-Pfalz setzte sich auf Gesundheitsministerkonferenzen mehrmals für Änderungen ein - bislang ohne Erfolg. Nun hat die Landesregierung von Experten einen Rahmenlehrplan erarbeiten lassen. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!