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Tausende für Frieden und Abrüstung

Organisatoren sind mit der Beteiligung an den Ostermnärschen zufrieden / Insgesamt gab es rund 100 Märsche, Kundgebungen, Mahnwachen und Fahrradkorsos

  • Von Reimar Paul
  • Lesedauer: 3 Min.

Es waren keine Massendemonstrationen, aber die Veranstalter waren mit dem Zuspruch zufrieden. Mehrere tausend Menschen haben am Wochenende bei den bundesweiten Ostermärschen für Frieden und Abrüstung demonstriert. Das zentrale Ostermarschbüro in Frankfurt am Main sprach von einer »regen Beteiligung«: »Dass die Friedensbewegung die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung gegen Krieg und Militarismus widerspiegelt, wird bei den Aktionen in allen Teilen des Landes sichtbar,« sagte der Sprecher der Infostelle, Willi van Ooyen.

Insgesamt gab es nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative rund 100 Märsche, Kundgebungen, Mahnwachen und Fahrradkorsos. In Berlin versammelten sich rund 2.000, in Bremen knapp tausend Demonstranten. Anderswo, so am Montag im Eichsfeld bei Göttingen, gingen nur einige Dutzend Aktive auf die Straße.

Teilweise machte schlechtes Wetter den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Beim traditionellen Ostermarsch »Rhein-Ruhr«, der drei Tage lang von Duisburg nach Dortmund führte, protestierten nach Veranstalterangaben zusammen genommen 700 Friedensbewegte. »Nein zu Bundeswehr- und Nato-Kommandozentralen - Gegen Atomkraft und Atomwaffen«, lautete hier das Motto.

»Wir rüsten uns zu Tode«, warnte Pfarrer Uwe Leising an der Kreuzkirche bei einer Zwisachenkundgebung in Herne. Bei einem weiteren Zwischenstopp in Gelsenkirchen legten die Demonstranten am Mahnmal für die Opfer von Faschismus und Krieg einen Kranz nieder. Auf Transparenten und Flugblättern forderten die Ostermarschierer auch einen Abzug US-amerikanischer Atomwaffen vom Fliegerhorst Büchel in der Eifel.

In Bonn kamen bei strömendem Regen immerhin 500 Menschen zusammen. Gleich zwei Kundgebungen gab es an der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau. Auch dort kritisierten Redner die sogegenannte zivile Atomkraftnutzung. Der Betrieb der einzigen Fabrik dieser Art in Deutschland, die vom Atomausstieg ausgenommen ist und auch Pannenreaktoren in Belgien und Frankreich mit frischem »Brennstoff« beliefert, müsse gestoppt werden, verlangte Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Bei der Kundgebung in Bremen warnte Lars Pohlmeier von der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, die USA und Russland ersetzten ihre Atomwaffenarsenale durch immer schrecklichere Massenvernichtungswaffen, die diplomatischen Konflikte zwischen Russland und der NATO schaukelten sich immer weiter hoch. »Es sind gefährliche Tage und Wochen«, rief Pohlmeier: »Hört auf mit diesem Wahnsinn!«

Gleichzeitig forderte der Mediziner die Bundesregierung auf, dem Vertrag zur Ächtung von Atomwaffen beizutreten. 122 Staaten hätten dieses Abkommen inzwischen unterzeichnet. Es sei eine Schande, dass Deutschland nicht zu diesen Ländern gehöre. »Das muss sich ändern.« Andere Redner verlangten eine Verringerung des deutschen Rüstungsetats und ein Verbot deutscher Waffenexporte in Staaten wie Saudi-Arabien oder die Türkei.

Örtliche Bündnisse hatten zudem eigene Themen gesetzt. Im schleswig-holsteinischen Jagel zogen Demonstranten zum Fliegerhorst der Luftwaffe, im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck gab es Proteste vor der Logistikschule der Bundeswehr, in Stuttgart wandten sich die Ostermarschierer gegen die dort geplante Militärmesse ITEC.

Auch der kurdische Dachverband NAV-DEM hatte in diesem Jahr für eine Beteiligung an den Ostermärschen geworben. »Die dramatische Lage in dem nordsyrischen Kanton Afrin steht sinnbildlich für die Kriegspolitik der Staaten im Mittleren Osten«, hieß es darin. »Für uns stehen die diesjährigen Ostermärsche für den Protest gegen jegliche Kriegspolitik und für ein Zeichen der Solidarität mit dem wegweisenden demokratischen Modellprojekt der Demokratischen Föderation Nordsyrien.«

»Wir waren wieder mehr«, bilanzierte am Montagnachmittag Willi van Ooyen. »Wir müssen aber noch mehr werden, denn für die politisch Verantwortlichen ist Krieg wieder ein Mittel zur Bewältigung der weltweiten Probleme geworden. Verstärkt müssen wir wieder auf die Straße. Die Reihen der Kriegsbefürworter müssen aufgebrochen werden.«

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