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Von Turmbekrönungen bis zu Riesenuhren

Uckermärker Kunstschmied hat sogar eine Wappenuhr für Bernau konstruiert, die vor der Stadthalle stehen soll

  • Von Jeanette Bederke
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wilfried Schwuchow ist in seinem langjährigen Arbeitsleben oft hoch hinaus gekommen. Auf 143 Dächer, auf Türme von Schlössern, Rathäusern und Kirchen ist der Metallbaumeister aus Angermünde (Uckermark) geklettert, um verrostete Uhren zu reparieren und neue Turmbekrönungen mit Kugeln und Wetterfahnen zu montieren. »So eine alte Turmuhr ist wie ein Stück Leben, das dem Ort zurück gegeben wird«, ist er überzeugt.

Berühmt gemacht hat ihn sein Faible für überdimensionale mechanische Uhren. »Ich will damit verdeutlichen, wie einem die Zeit ständig davon läuft«, sagt er. Mit der größten Taschenuhr der Welt steht Schwuchow im Guinness-Buch der Rekorde - 4,70 Meter im Durchmesser, 80 Tonnen schwer. Sie zeigt im Familiengarten Eberswalde (Barnim) die Zeit an. Ein Miniatur-Güterzug legt auf der Uhr pro Stunde einen 80 Meter langen Schienenweg zurück.

Ebenso riesig ist seine Sonnenuhr in Erkner (Oder-Spree). Wer hier die Zeit ablesen will, muss sich in die Mitte der Uhr stellen und selbst als Zeiger fungieren.

Angetan davon war Antje Mittenzwei, Geschäftsführerin der Wohnungs- und Baugesellschaft (Wobau) in Bernau (Barnim). »Wir wollten so etwas auch für unseren Firmensitz«, sagt sie. Doch Schwuchow wäre nicht er selbst, wenn er eine seiner Erfindungen einfach nur kopieren würde. »Ich mache Euer Stadtwappen zu einer Uhr, der weltgrößten ihrer Art« versprach er der Auftraggeberin.

Die vor Jahren begonnene, 15 Meter hohe Konstruktion mit einem riesigen beweglichen Bären als Mittelpunkt ist längst fertig, steht aber immer noch im Garten des Angermünders. »Wir wollten die Uhr im Bernauer Stadtzentrum aufstellen, um mehr Menschen anzulocken, die dann auch in den Geschäften einkaufen«, sagt Mittenzwei. Mit ihrer Standortwahl hatte die Wobau bisher aber kein Glück. Bisher scheiterte das Vorhaben stets am Denkmalschutz oder an naturschutzrechtlichen Bedenken. Aufgeben will die Geschäftsführerin jedoch nicht. »Wir kriegen die Uhr nach Bernau«, sagt sie entschlossen.

Schwuchow ist schon längst beim nächsten Projekt. Er baut an einem großen Fabergé-Ei, in dessen Innerem er eine Miniatur der Berliner Weltfriedensglocke und natürlich eine Uhr verborgen hat. Das Kunstwerk ist für Russlands Präsidenten Wladimir Putin bestimmt. Nur dass der noch nichts weiß von seinem Glück, einen Auftrag dafür gibt es nicht.

»Es wird ein Geschenk, mit dem ich den Kreml-Chef zu jeder Stunde an den Frieden in der Welt erinnern will«, sagt Schwuchow, der bereits mit dem russischen Botschafter darüber gesprochen haben will. Geld möchte er für das etwa einen Meter große Fabergé-Ei nicht, dafür lieber etwas Gold für neue Kreationen.

»Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir uns auf das Besondere konzentrieren«, sagt der Angermünder, der eigentlich schon lange Rentner ist und trotzdem jeden Tag von früh bis spät in seiner mit Maschinen vollgestopften Werkstatt steht.

Alt fühlt sich der 75-Jährige nicht, auch wenn ihn ein Schlaganfall im vergangenen Jahr zeitweise in die Knie zwang. »Dass einzige, was ich noch nicht wirklich zurück habe, ist meine Stimme«, sagt er. Dieses Handicap hindert den leidenschaftlichen Handwerksmeister jedoch nicht daran, fast ohne Punkt und Komma von seinen neuesten Ideen zu erzählen.

»Ich habe so viele Aufträge, inzwischen weltweit, weil ich alljährlich auf der internationalen Handwerkermesse in München bin«, sagt er. Zur Umsetzung fehlt ihm jedoch die personelle Verstärkung und auch der Platz in seiner Werkstatt. »Die ist einfach sein Leben und die beste Therapie«, sagt Ehefrau Eva-Maria.

Am liebsten würde Schwuchow, der nie eine Kunstschule besucht hat, »die nächsten 20 Jahre lang« mit jungen Leuten arbeiten, ihnen sein Handwerk beibringen, bevor es verloren geht. Das bestätigt Michael Thieme, Sprecher der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). »Turmhauben zu bauen - so etwa lehrt heute tatsächlich niemand mehr«, sagt er. dpa/nd

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