Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Mehr Quereinsteiger sollen Erzieher werden

Mit einer bundespolitischen Initiative will Bildungssenatorin Scheeres (SPD) den Erziehermangel bekämpfen

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will mehr Menschen für den Beruf des Erziehers begeistern. Dafür hat sie jetzt eine bundespolitische Fachkräfte-Initiative ins Leben gerufen. Der Antrag, der im Mai bei der Konferenz der Jugend- und Familienminister der Länder (JFMK) diskutiert werden soll, sieht zukünftig eine bessere Bezahlung von Erziehern sowie eine vergütete Ausbildung vor. Außerdem sollen mit Kampagnen und berufsbegleitenden Ausbildungsmodellen gezielt Quereinsteiger geworben werden.

»Wir brauchen diese Fachkräfte-Offensive. Der hohe Bedarf an Erziehern ist nicht nur ein Berliner Problem«, sagte Scheeres dem »nd«.

Viele Punkte, etwa eine vergütete Ausbildung und eine bessere Bezahlung der Fachkräfte, betreffe die anderen Länder genauso. Als eine der entscheidenden Sofortmaßnahmen sieht Scheeres die tarifliche Anhebung der Löhne von Erziehern. »Die Fachkräfte müssen grundsätzlich im Tarifvertrag höher eingruppiert werden. Nur so erhält der Beruf die Bewertung, die er tatsächlich verdient«, sagte Scheeres.

Nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes fehlen an Berliner Kitas aktuell 1000 Erzieher. Bis zum Jahresende 2020 wurde ein Bedarf von 5500 Fachkräften errechnet. Derzeit arbeiten in der Hauptstadt rund 2400 Erzieher in Vollzeit.

Der Personalmangel hat zur Folge, dass viele Familien trotz Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz keinen finden können. Einige Kitas haben sogar einen Aufnahmestopp verhängt. Sehr zum Ärger der Eltern. Am 27. Mai wollen Elternverbände mit einer Großdemo gegen den Platzmangel protestieren und eine bessere Kitaqualität fordern.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) findet die bundespolitische Initiative der Bildungssenatorin richtig. »Wir begrüßen diese Initiative zur Höhergruppierung beziehungsweise zur besseren Bezahlung der Erzieher im Tarifvertrag ausdrücklich«, sagte Markus Hanisch, Pressereferent des Berliner Landesverbands der GEW. Spätestens bei der nächsten Verhandlungsrunde für den Tarifvertrag des Landes im Frühjahr 2019 erwarte man Ergebnisse. »Der Erzieherberuf verdient eine höhere finanzielle Wertschätzung.« Mehr Geld schaffe zudem Anreize für Quereinsteiger, die dringend benötigt würden, so Hanisch.

Ein Erzieher in Berlin verdient je nach einstellendem Kita-Träger 2600 bis 3300 Euro brutto monatlich. Bildungssenatorin Scheeres hat mit ihrer Fachkräfte-Initiative deutlich gemacht, dass sie für die Erzieher eine deutlich bessere Eingruppierung fordert. Wie viele Stufen dies genau sein können, müsse aber noch mit den anderen Bundesländern diskutiert werden, heißt es aus dem Berliner Bildungssenat.

Scheeres zeigte sich zuversichtlich, dass ihr Antrag auch von den anderen Bundesländern angenommen wird. »Ich gehe davon aus, dass die Ministerkonferenz im Mai der neuen Bundesregierung den Auftrag erteilen wird, die einzelnen Punkte umzusetzen.« Sie freue sich ganz besonders, dass die neue Bundesfamilienministerin, Franziska Giffey (SPD), bei dem Thema Unterstützung zugesichert hat. Die ehemalige Neuköllner Bezirksbürgermeisterin hatte Bund und Länder aufgefordert, den Erzieherberuf durch eine bessere Entlohnung zu fördern.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln