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Die Energiewende boomt weltweit

Allein in die Solarkraft wurde vergangenes Jahr mehr Geld investiert als in Kohle und Gas zusammen

  • Von Susanne Schwarz
  • Lesedauer: 3 Min.

In Deutschland wird weniger Geld in erneuerbare Energien investiert. 2017 flossen nur noch rund acht Milliarden Euro in Solaranlagen, Windräder und Co. - 35 Prozent weniger als im Vorjahr. Das zeigt eine am Donnerstag erschienene Studie der Frankfurt School of Finance & Management in Zusammenarbeit mit dem UN-Umweltprogramm Unep und dem Thinktank Bloomberg New Energy Finance.

Auch in weiteren Regionen, die eigentlich als große Märkte für Ökoenergien gelten, gab es demnach eine Abwärtsentwicklung. In Europa und den USA wurden 2017 jeweils noch umgerechnet 33 Milliarden Euro investiert - das entspricht einem Minus von 36 beziehungsweise sechs Prozent. Großbritannien verzeichnete sogar einen Investitionsrückgang von 65 Prozent, dort flossen umgerechnet noch sechs Milliarden Euro. In Japan nahmen die Investitionen um 28 Prozent ab und betrugen umgerechnet elf Milliarden Euro. Weltweit sieht der Trend jedoch anders aus. Speziell der Solarstrom erlebte im vergangenen Jahr einen Boom. Insgesamt 131 Milliarden Euro flossen darein, 18 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als in jede andere Technologie.

Auch in andere erneuerbare Energien wurde kräftig investiert, nämlich noch einmal fast genauso viel wie in Solarkraft - allerdings für Windenergie, Biomasse, Ersatzbrennstoffe wie Abfall, Geothermie und Wasserkraft zusammen. In Kohle und Gas wurden indes nur noch insgesamt 84 Milliarden Euro gesteckt. UNEP-Chef Erik Solheim ist deshalb optimistisch: »Der außerordentliche Aufschwung bei den solaren Investitionen weltweit zeigt, was alles erreicht werden kann, wenn wir auf Wachstum setzen, das die Umwelt nicht schädigt.«

Die direkten Auswirkungen auf die Luftqualität dürften allerdings erst verzögert einsetzen. Dass die Investitionen in Erneuerbare steigen, heißt nämlich noch nicht, dass der Energiemix genauso schnell sauber wird. Es kommen zwar erneuerbare Anlagen hinzu - fossile gehen aber nicht im gleichen Zug von den Stromnetzen. Zwölf Prozent des Stroms wurde im vergangenen Jahr global gesehen erneuerbar gewonnen. In anderen Sektoren wie Verkehr und Wärme geht es noch schleppender voran.

»Die Welt hat mehr solare Kapazität zugebaut als Kohle-, Gas- und Ölkapazitäten zusammen«, sagt Nils Stieglitz, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. Das zeige wo es hingeht - auch wenn man noch einen langen Weg zu gehen habe, »weil die Erneuerbaren immer noch weit davon entfernt sind, den Großteil des Stroms zu liefern«.

China war der Studie zufolge 2017 Spitzenreiter bei den klimafreundlichen Investitionen, die dort um 31 Prozent auf 103 Milliarden Euro anstiegen. Die stärkste prozentuale Steigerung erlebte Mexiko, wo mit fast fünf Milliarden Euro mehr als achtmal so viel Geld in Ökoenergie gesteckt wurde wie noch im Jahr zuvor.

Warum es ausgerechnet in den USA und vielen europäischen Ländern mit den Investitionen bergab ging, erklärt Angus McCrone, Chef von Bloomberg New Energy Finance, zumindest zum Teil mit »Veränderungen bei der politischen Unterstützung«.

In Deutschland, so schätzt es die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ein, ist das definitiv der Fall. »Deutschland bremst die Energiewende gezielt aus, und somit auch die Investitionen in erneuerbare Energien«, sagt Kemfert. Sie spielt darauf an, dass die Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode zwei Grundpfeiler der bisherigen Ökostrompolitik umgestoßen hat. Sie hat die Mindestausbauziele durch einen Ausbaudeckel ersetzt. Außerdem wurde die frühere Einspeiseregelung, bei der die Höhe der Vergütung von Ökostrom festgelegt war, durch ein Ausschreibungssystem ausgetauscht.

Der Ökonomin zufolge ist das »ein Armutszeugnis«, weil Deutschland durch seine frühere Rolle als Energiewendevorreiter maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Kosten erneuerbarer Energien immer weiter zurückgehen. Indem sie jetzt die »Früchte ihrer eigenen Saat« nicht ernte, gefährde die Bundesrepublik »nicht nur wirtschaftliche Chancen samt Innovationen und Arbeitsplätze durch erneuerbare Energien«. Die globalen Zahlen, meint Kemfert, zeigten »eindeutig, dass die Zeit fossiler Energien mehr und mehr zuende geht, die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien.«

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