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Wie gegenwärtig ist Vergangenheit?

73 Jahre nach der Befreiung startet Thüringens Stiftung Gedenkstätten eine Veranstaltungsreihe

Weimar. 73 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager stellt die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Thüringen mit einem breiten Veranstaltungsangebot die Frage: »Wie gegenwärtig ist die Vergangenheit?«. In Städten wie Erfurt, Jena, Nordhausen und Weimar wird zu Vorträgen, Gesprächen, Ausstellungen, Filmen und Lesungen eingeladen, wie die Stiftung in dieser Woche in Weimar ankündigte. Daran würden auch etwa 20 Überlebende der Lager teilnehmen.

Die hochbetagten Männer und Frauen werden zu den Gedenkfeiern in Buchenwald bei Weimar und Mittelbau-Dora nördlich von Nordhausen am 11. und 15. April erwartet, bei denen der Befreiung der beiden Konzentrationslager gedacht wird, sagte Stiftungssprecher Rikola-Gunnar Lüttgenau. Sie kämen aus allen Teilen Europas - etwa aus Frankreich, Ungarn und der Ukraine - sowie aus Israel und den USA. Neben den früheren Insassen würden auch Dominique Durand, der Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (LINKE) an den Gedenkfeiern teilnehmen.

Der Start für die begleitende Veranstaltungsreihe war für den Donnerstag geplant. Sie solle - »ohne in vorschnelle Analogien zu verfallen« - den Blick auf die Vergangenheit mit dem auf die Gegenwart verknüpfe, erklärte Lüttgenau. So befrage in dem Film »Die Lebenden« von Barbara Albert eine Enkelin neben ihrem Großvater zu dessen Verantwortung für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs auch ihren Vater nach seinem Umgang mit den historischen Ereignissen.

Die Veranstaltungsreihe wird nach Angaben der Stiftung durch das Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit »Denk Bunt« unterstützt. Zu den vielen Partnern zählte neben Buchhandlungen unter anderem auch das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar, der Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt, die Schiller-Universität Jena und die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung.

Das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar wurde 1937 errichtet. Nach neuen Erkenntnissen waren im Lager bis zu seiner Befreiung am 11. April 1945 fast 280 000 Menschen inhaftiert. Die SS zwang die Häftlinge zur Arbeit für die deutsche Rüstungsindustrie. Mehr als 56 000 Menschen starben an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung. Das KZ Mittelbau-Dora durchliefen trotz dessen mit 18 Monaten nur kurzen Existenz etwa 60 000 Häftlinge aus 48 Nationen. Ein Drittel verstarb aufgrund der inhumanen Arbeits- und Lebensbedingungen - etwa bei der Produktion von V2-Raketen in den unterirdischen Stollen. epd/nd

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