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  • Dopingtests im Fußball

Alle wollen Kontrollen, keiner will bezahlen

In der Fußball-Regionalliga gibt es keine Dopingtests mehr. DFB und Regionalverbände wollen, dass der Staat dafür aufkommt

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Aldin Skenderovic spielt seit Januar für den SV Elversberg. Wer bisher weder vom Fußballer noch vom Verein etwas gehört hat, dem sei verziehen. Der 20-Jährige ist zwar Nationalspieler, jedoch für Luxemburg, das sich noch nie für eine EM oder WM qualifizierte. Die Sportvereinigung 07 Elversberg ist ein saarländischer Viertligist in der Regionalliga Südwest. Profifußball wurde hier nur in der Saison 2013/14 gespielt. Seitdem ist der Verein wieder Heimat von Amateurfußballern, auch wenn sogar mal ein Nationalspieler darunter ist.

Dopingkontrolleure wurden hier schon immer nur sehr selten gesehen, seit Herbst 2017 kommen gar keine mehr. Das gilt für alle fünf deutschen Regionalligen. Dabei wollen alle Tests haben, nur bezahlen will sie niemand.

Bis zur vergangenen Saison hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit der Nationalen Antidoping-Agentur vereinbart, dass die NADA in Meisterschaft und Pokal neben den Spielerinnen und Spielern aus Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga sowie den Frauen- und Junioren-Bundesligen auch die Männer aus der Regionalliga testet. Laut NADA wurden hier also in der vergangenen Saison rund 200 Kontrollen durchgeführt - bei 92 Mannschaften und insgesamt 1608 Spielen eine eher geringe Zahl, aber immerhin eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Die NADA sieht offenbar eine Notwendigkeit, auch in der vierten Spielklasse zu testen.

Sie würde es gern weiter tun, doch der DFB zahlt nicht mehr. Während in den Bundesligen die Vereine die Tests bezahlen und in der 3. Liga der DFB, hat der Dachverband die Hoheit über die Regionalligen den Regionalverbänden übertragen. »Der DFB befürwortet Dopingkontrollen in der Regionalliga und wäre auch bereit, diese finanziell zu unterstützen«, teilte der Verband dem »nd« auf eine schriftliche Anfrage mit. Er dürfe jedoch keine Kosten für Leistungen übernehmen, die einem Dritten zugutekommen, sonst stünden die Gemeinnützigkeit und somit Steuerbegünstigungen auf dem Spiel.

Die Regionalverbände und Klubs springen aus zwei Gründen nicht ein: Sie haben nicht so prall gefüllte Kassen wie der DFB und die Bundesligisten. Und sie wollen so behandelt werden wie andere Sportarten. »Mit Ausnahme der Bundesligen und der 3. Liga im Fußball werden die Kontrollen im Spitzensport nicht durch die Vereine und Verbände getragen, sondern vom BMI (Bundesministerium des Innern, Anm. d. Red.). Es ist sehr schwer einzusehen, dass Vereine einer vierten Spielklasse ausnahmsweise diese Kosten tragen sollen, wenn der Spitzensport in anderen olympischen Sportarten das nicht tun muss«, sagt Holger Fuchs, Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV). Selbst wenn auf die Vereine nur Kosten von geschätzt je 3000 Euro pro Saison zukämen, wäre das für einzelne Klubs schon schwierig zu finanzieren - und das 18-Fache für den NOFV ebenso, sollte der Verband für alle zahlen müssen, so Fuchs, der zudem die Sinnhaftigkeit der Kontrollen zur Diskussion stellt: »Es stellt sich die Frage, ob das in einer vierten Liga überhaupt notwendig ist. Ich weiß nicht, ob die Frage auch im Handball, Basketball oder Fechten gestellt wird oder nur im Fußball«, so Fuchs, der aber auch klarstellt: »Wenn man generell sauberen Sport fordert, muss man auch überall testen.«

Mindestens zwei Gründe für Kontrollen in der Regionalliga gibt es aber: Zum einen sind hier insgesamt 19 zweite Mannschaften von Profiklubs aktiv, in denen aufstrebende Talente ausgebildet werden, die irgendwann mal Bundesligafußball spielen sollen. Zum anderen tummeln sich immerhin 13 Nationalspieler wie Aldin Skenderovic im deutschen Amateurfußball. Auch die sollten hin und wieder mal kontrolliert werden.

Jana Miglitsch aus der Geschäftsführung des Norddeutschen Fußball-Verbands bestätigte gegenüber »nd« immerhin, dass die fünf Regionalverbände weiterhin Dopingkontrollen haben wollen. Daher »werden zur Zeit Gespräche mit dem BMI wegen der Kostenübernahme geführt«, so Miglitsch. Die Finanzierung durch das BMI sei erforderlich, da, »gerade in der Regionalliga Nord viele kleine Vereine spielen, deren Finanzierung eng getaktet ist und von denen eine weitere finanzielle Verpflichtung kaum zu leisten wäre.«

Ob und wie schnell bei den Gesprächen Fortschritte gemacht werden, ist unklar. Bisher sieht alles danach aus, dass bis zum Saisonende nicht mehr kontrolliert wird. Das ärgert die NADA. »Es ist nicht verständlich, dass es - mangels eines fehlenden Finanzierungsmodells - in dieser Saison nicht zu Dopingkontrollen in den Regionalligen gekommen ist. Das ist aus unserer Sicht ein falsches Signal«, sagte NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer. »Der Fußball hat in der laufenden Saison eine wichtige Chance verpasst, für einen überschaubaren finanziellen Beitrag in Höhe von 140 000 Euro saubere Athleten zu schützen und sein Antidoping-Engagement in Deutschland zu unterstreichen.«

Werden nun ausländische Nationalspieler aus Afghanistan oder Gambia von ihren eigenen Antidoping-Agenturen getestet? In Luxemburg gibt es Erstligaklubs, die zwei Jahre lang keinen Kontrolleur der ALAD gesehen haben. Nur beim Spitzenspiel zwischen Fola Esch und Düdelingen wurde mal getestet, und prompt fiel ein Spieler mit abnormalen Werten auf. Aldin Skenderovic soll hier nichts unterstellt werden. Dass die ALAD aber seinetwegen einen Ausflug nach Elversberg machen wird, darf bezweifelt werden. Kommentar Seite 4

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