Werbung

Ein lyrisches Lehrstück

Martin Hatzius staunt über die Folgen einer Gedichtentfernung

  • Von Martin Hatzius
  • Lesedauer: 1 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Lyrik erblüht in Nischen, bemerkt allenfalls von verstreuten Bewunderern. Normalerweise. Dass ein Gedicht derart viel Aufmerksamkeit auf sich zieht wie jüngst Eugen Gomringers Konstellation »avenidas«, ein Gründungsdokument der Konkreten Poesie, dürfte kaum je vorgekommen sein. Seit Studierende der Berliner Hochschule, an deren Fassade es derzeit noch prangt, in jenem Gedicht einen sexistischen Impetus ausgemacht und schließlich mehrheitlich beschlossen hatten, es entfernen zu lassen, ist über keinen poetischen Text häufiger geredet, geschrieben und gestritten worden. Kein Gedicht ist in den Medien so häufig zitiert (und zuweilen auch instrumentalisiert) worden wie dieses.

Gomringers Tochter, Dichterin - und Feministin -, ließ es auf transparente Folien drucken und streute sie quer übers Land, wo sie nun an vielen Flächen kleben. In einem soeben erschienen Buch über Eugen Gomringers lyrische Verdienste steht »avenidas« im Zentrum der Betrachtung. Und eine Wohnungsgenossenschaft gab in dieser Woche bekannt, das Poem auf einer Hausfassade im selben Stadtbezirk anzubringen, in dem es anderswo entfernt wird. Der Vorwurf der Zensur, mit dem sich die Initiatorinnen der Übertünchung konfrontiert sahen, wendet sich so in sein Gegenteil: Allein der Tilgung ist die enorme Verbreitung zu danken.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen