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Kann uns der Zirkus noch begeistern?

Im Berliner Festspielhaus präsentieren internationale Künstlerinnen ihre Weiterentwicklung des Nouveau Cirque

Wer dieser Tage das Berliner Festspielhaus betrat, merkte unmittelbar, unter welchem Stern das am Wochenende stattfindende Festival »Die Originale« stehen würde. Die Wände sind ausgekleidet mit großen Planen, Seilen und Spanngurten, als befände man sich wirklich in einem Circus, der seine Zelte nur für eine kurze Zwischenstation aufgestellt hat.

Dabei handelt es sich bei »Die Originale« weder um einen klassischen Zirkus, wie man ihn aus seiner Kindheit vielleicht kennt, noch um ein originäres Festspiel. Hauptsächlich war das Ziel der beiden Kuratoren Johannes Hilliger und Josa Kölbel, einen geschützten Raum für Künstlerinnen aller Genres zu schaffen, in welchem sie sich gemeinsam der Weiterentwicklung des Nouveau Cirque widmen. Dafür fanden in der vergangenen Woche acht sogenannte Research Labs statt, in denen sich jeweils ein halbes Dutzend Künstlerinnen aller Couleur, sowohl aus dem Bereich der Zirkusperformativität als auch der Musik, des Kunsthandwerks und der Fotografie kreativ ausleben konnten.

Die einzige Vorgabe, der es sich zu stellen galt, war die Einhaltung des vom Kuratoren-Duo ausgewählten Überthemas »Kreis«. Hierbei handelt es sich laut Hilliger, angelehnt an die klassische Manege, um ein Symbol für »die spezifische Präsentationsform, die im Zirkus bis heute Relevanz hat.« Mit dem Zirkus kennen sich Hilliger, der ursprünglich zum Eventmanager in der SPD-Zentrale im Willy-Brandt-Haus ausgebildet wurde, und Kölbel, der sein Diplom als Zirkusartist an den renommiertesten Akademien Frankreichs und der Niederlande erlangte, bestens aus. Seit 2015 organisieren sie das »Berlin Circus Festival«, seit vergangenem Jahr kooperieren sie mit dem Berliner Festspielhaus und schufen dort mit drei Veranstaltungen die Grundlagen für »Die Originale«.

Zu den Leiterinnen der Research-Gruppen gehört auch die Berliner Schauspielerin und Musikerin Meret Becker, für die der Zirkus aufgrund der vielen Gegensätze zwischen filigraner Kunst im Kreis und der rohen Stärke eine besondere Faszination ausmacht. Die verschiedenen Gruppen beschäftigten sich mit den vielsagenden Themen Metamorphose, Eigenart des Tricks, Probleme der Räumlichkeit oder künstlerische Kollaboration als Form politischen und sozialen Widerstands. Die Performances am Samstag und Sonntag versprechen viel und vermögen es mit Sicherheit, Zirkusliebhaberinnen zu begeistern. Ob sie darüber hinaus Menschen ansprechen können, die mit der Zirkuskunst weniger anfangen können, wird sich zeigen.

Begleitet wird die Darstellung der Ergebnisse aus den Research Labs von zwei weiteren Aufführungen bekannter Artisten aus dem Umfeld des französischen Centre National des Arts du Cirque, zwei Konzerten, Publikumsgesprächen und einer Ausstellung von Lothar Berger und Thilo Ulrich, welche die Arbeit der Research-Gruppen mit ihren Kameras begleiteten. Insgesamt ergibt sich daraus eine zehnstündige Veranstaltung.

»Die Originale«, Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, Wilmersdorf.

7. und 8. April, ab 14 Uhr berlinerfestspiele.de/circus

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