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Die manipulative Bank

Deutschlands größtes Finanzinstitut war nicht nur die Manipulation des EURIBOR-Referenzzinssatz verstrickt

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Am 7. April 2017 wandte sich John Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter der Deutschen Bank. »Keiner von uns darf Erträge wollen, die später umso mehr Geld kosten, etwa durch Rechtsstreitigkeiten. Keiner von uns will noch einmal erleben, dass uns hieraus Milliardenforderungen entstehen«, warnte der Chef des Konzerns. Denn kurz zuvor hatte Cryan wegen solcher krummer Deals für das Jahr 2016 einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro vermelden müssen.

Was 2016 am meisten auf dem größten deutschen Finanzinstitut lastete, waren Geschäfte mit US-Hypotheken. Dem Dax-Konzern wurde vorgeworfen, damit zum Kollaps des US-Häusermarktes im Jahr 2008 beigetragen zu haben. Ursprünglich stand deswegen eine Strafe von 14 Milliarden US-Dollar im Raum, am Ende einigte man sich kurz vor Weihnachten 2016 auf insgesamt sieben Milliarden Euro an Geldbuße und Entschädigungszahlungen. Es war nicht das erste und auch nicht das letzte krumme Geschäft, das ein juristisches Nachspiel für die Deutsche Bank hatte. Ende 2017 hatte die Bank noch über zwei Milliarden Euro wegen juristischer Streitereien an Rückstellungen auf der hohen Kante. Für einen dieser Skandale, in das die Deutsche Bank verwickelt war, müssen sich die beteiligten Personen ab diesen Montag in London vor Gericht verantworten.

Es geht um die Manipulation des Euro InterBank Offered Rate, kurz EURIBOR, dem Referenzzinssatz auf Euro-Finanzgeschäfte. Dieser Wert ist für die Finanzmärkte extrem wichtig. Er soll die Kosten der Kreditvergabe widerspiegeln. Nach Angaben der EU-Kommission belief sich etwa allein der Wert der sogenannte Over-the-Counter-Zinspapiere, die im Juni 2016 an den Euribor gekoppelt waren, weltweit auf 6,401 Billion US-Dollar.

Die Londoner Strafverfolgungsbehörde SFO wirft insgesamt elf Bänkern vor, zwischen 2005 und 2009 gemeinsam den EURIBOR manipuliert zu haben. Die Angeklagten, die für die Deutsche Bank, Barclays und Société Générale arbeiteten, sollen für ihre Absprachen geheime Chaträume und Instant Messenging-Dienste genutzt haben. Nur sechs Angeklagte werden vermutlich vor Gericht erscheinen. Vier ehemalige Händler der Deutschen Bank wehrten sich in Frankfurt am Main erfolgreich gegen ihre Auslieferung nach Großbritannien. Ein Händler der französischen Société Générale bleibt nach Angaben der Strafverfolgung ebenfalls fern.

Einer der zwei vor Gericht erscheinenden ehemaligen Deutsche-Bank-Manager hat sich bereits Anfang März schuldig bekannt. Es ist der Franzose Christian Bittar. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens und der Finanzkrise 2008 soll der Investmentbanker für seinen Arbeitgeber von London aus 500 Millionen Euro gemacht haben. Dafür erhielt er zunächst 80 Millionen Euro an Boni. Zum Vergleich: Der damalige Konzernchef Josef Ackermann brachte es auf maximal 14 Millionen Euro Gehalt pro Jahr. Als Bittars illegales Treiben aufflog, feuerte ihn die Deutsche Bank. Ihm und seinen Mitangeklagten droht nun eine hohe Haftstrafe.

Die EU-Kommission ermittelte nach unangekündigten Nachprüfungen ab Oktober 2011 wegen des Verdachts auf Manipulation des EURIBOR. Sie kam letztlich zu dem Schluss, dass sich insgesamt sieben Banken (Barclays, Crédit Agricole, HSBC, JPMorgan Chase, Deutsche Bank, RBS und Société Générale) an dem Kartell beteiligt hatten. In diesem Rahmen wurde auch offenkundig, dass die Deutsche Bank bei der Manipulation des japanischen TIBOR-Referenzzinssatzes mitgemischt hatte. Im Dezember einigte sich das Frankfurter Geldhaus mit der Kommission auf die Zahlung eines Bußgeldes von insgesamt 725 Millionen Euro.

Damit war die Affäre um manipulierte Referenzzinssätze jedoch nicht beendet. Es war auch nicht die höchste Summe, die die Deutsche Bank für so etwas zahlen musste. Im April 2015 verhängten US-amerikanische und britische Behörden Bußgelder in Höhe von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar gegen das Finanzinstitut. Dabei ging es nicht nur um illegale Machenschaften rund um EURIBOR und TIBOR, sondern vor allem um die Manipulation des auf britische Pfund laufenden Londoner LIBOR-Referenzzinssatz.

Und auch heute noch beschäftigt die Affäre die Juristen der Deutschen Bank. Laut ihrem aktuellen Geschäftsbericht waren Ende 2017 in den USA 43 zivilgerichtliche Verfahren anhängig sowie ein weiteres in Großbritannien. Bei den meisten waren noch keine konkreten Schadensforderungen gestellt. Bei den fünf Verfahren, wo sie schon vorlagen, beliefen sie sich auf insgesamt mindestens 1,25 Milliarden Euro.

Indes verklagte erst im Januar ein Pensionsfonds aus Colorado die Deutsche Bank. Sein Vorwurf: Sie soll den kanadischen Referenzzins CDOR manipuliert haben. Die Geschichte dreht sich also weiter.

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