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Betagte Maschinen für neue Jobs

In Potsdam-Mittelmark gibt ein gemeinnütziger Verein Langzeitarbeitslosen eine Perspektive

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 4 Min.

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In Bad Belzig, der Kreisstadt von Potsdam-Mittelmark, hat sich ein mit regionalen Mitteln getragener Betrieb besondere Verdienste um die Reintegration von Langzeitarbeitslosen in ein geregeltes Arbeitsleben erworben. Fünf von ihnen hat der Sozialwirtschaftsbetrieb »Hand in Hand« derzeit unter Vertrag.

»Hand in Hand« ist ein Dienstleistungsunternehmen des Arbeits- und Ausbildungsförderungsvereins PM e. V., der vom Landkreis, Ämtern, Städten und Gemeinden, Vereinen und Verbänden getragen wird. Für seinen Betrieb »Hand in Hand« erhält der Verein seit September 2017 eine Förderung der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Die Zuwendung wird auf Grundlage einer Richtlinie des brandenburgischen Arbeitsministeriums mit Fördermitteln von Land und EU gewährleistet und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert.

In der vergangenen Woche hat sich Sozialministerin Diana Golze (LINKE) vor Ort über das Projekt informiert. Empfangen wurde sie vom Bürgermeister von Bad Belzig, Roland Leisegang (parteilos). Der Name Leisegang hat weit über die Region hinaus einen guten Ruf, bilden die Geschwister Leisegang doch den Kern der schon zu DDR-Zeiten gegründeten Rockband »Keimzeit«, in der das heutige Stadtoberhaupt lange Zeit am Schlagzeug saß.

Roland Leisegang ist auch Geschäftsführer des Trägervereins des Sozialwirtschaftsbetriebes, der seit 1991 arbeitslose Menschen in der Region auffängt und ihnen eine neue berufliche Perspektive eröffnet. Auch Potsdam-Mittelmark wurde nach der politischen Wende hart von der Massenarbeitslosigkeit getroffen. Es galt, Bauleute zu betreuen, Gleisbauarbeiter aber auch Krankenschwestern.

Der Bürgermeister schilderte der Ministerin den Konflikt, in dem sich die Initiative befindet, seit es sie gibt. Natürlich nehme sich der Betrieb Produkte und Projekte vor, die auch nachgefragt seien. Doch wann immer die dort Betreuten wirtschaftlich tätig wurden und Werte schufen, wurde schnell der Vorwurf laut, dies sei staatlich geförderte Konkurrenz zur ohnehin gebeutelten regionalen Wirtschaft. Daher habe man sich auf Tätigkeiten konzentriert, bei denen man den Handwerkern der Umgebung nicht ins Gehege kommt. Abriss- und Entkernungsarbeiten etwa, die Beseitigung alter Tapeten und Fußböden, Hilfe bei der Dachabdeckung - Bereiche, die von »Bauhelfern« erledigt werden können. Zudem seien nicht mehr als fünf ehemals Langzeitarbeitslose gleichzeitig beschäftigt.

Die Begegnung findet in einer Halle statt, die einer großen Tischlerwerkstatt gleicht. Die Maschinen zur Holzbearbeitung stammen noch aus DDR-Zeiten, waren Importe aus Polen und Bulgarien. Roland Hauschild, der Betreuer, sieht das pragmatisch: »Wenn sie ihre Sache machen, warum nicht?« Er leitete die Brigaden an und ist stolz darauf, kürzlich erst wieder zwei seiner Teammitglieder in eine reguläre Anstellung vermittelt zu haben. Dies sei schließlich der Sinn der Sache.

Laut Hauschild kommt der jahrelange Bauboom dem Anliegen des Sozialbetriebs entgegen, denn die Auftragsbücher der Handwerker seien voll. Das lasse sie großzügig gegenüber den Arbeitsprojekten sein, die von den Langzeitarbeitslosen erledigt werden. Demnächst wird in der Region ein Fest stattfinden und der Arbeits- und Ausbildungsförderverein beliefert aus diesem Anlass jedes Dorf der Umgebung mit einer soliden neuen Holzbank. Auch überdachte Schutzhütten und Schilder für Wanderwege - der Naturpark Hoher Fläming ist ein ist für seine anspruchsvollen Routen bekannt - stehen zur Abholung bereit.

Die Anleitung sei zeitintensiv und erfordere Geduld, sagte Hauschild. Nach jahrelanger Arbeitslosigkeit fänden viele Menschen nur schwer wieder in eine geregelte Tätigkeit hinein. Da werde auch mal schnell eine Krankheit vorgeschützt. Zudem kümmert sich der Verein seit Jahren um die Betreuung von Flüchtlingen. Man müsse aber auch sensibel sein: »Die Menschen haben eine Vergangenheit, eine Geschichte.«

Nach Angaben von Ministerin Golze werden derzeit vier derartige Sozialbetriebe durch das Land gefördert, die zusammen 32 frühere Langzeitarbeitslose eingestellt haben. Die Landesregierung übernimmt 75 Prozent der für sie anfallenden Lohnkosten. Es gehe darum, Menschen »marktnah« zu beschäftigen, um sie Schritt für Schritt auf eine reguläre Beschäftigung vorzubereiten, so Golze. Bis 2022 sollen es zehn derartige Sozialbetriebe werden. Dafür stehen 6,5 Millionen Euro bereit.

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