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  • Politik
  • Gegen Austeritätspolitik

Für das Recht umzuziehen, nicht die Pflicht

Linke Jugendpolitiker kritisieren den Umgang der »Welt« mit der Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa

  • Von Jules El-Khatib, Igor Gvozden, Fotis Matentzoglou
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Europas Jugend bleibt zuhause« titelte die Zeitung »Welt« am 03. April und sprach von Muttersöhnchen oder »Mammoni«, wie sie im Italienischen bezeichnet werden, um junge Menschen lächerlich zu machen, die trotz Arbeitslosigkeit ihre Heimatländer nicht verlassen wollen. Dabei ist es nicht die europäische Jugend, die Schuld ist an ihrer Arbeitslosigkeit und nicht sie sollte in die Verantwortung genommen werden.

Der Artikel der »Welt« wartet mit vermeintlich beeindruckenden Zahlen auf. So sind 60 Prozent der erwerbslosen Italienerinnen und Italiener unter 35 nicht bereit für eine Stelle umzuziehen. In den Niederlanden und Dänemark ist der Anteil noch höher, doch der Autor fokussiert sich auf Italien. Anscheinend ist es besonders die italienische Jugend, unter denen er sehr viele »Muttersöhnchen« vermutet. Gelobt wird dagegen die spanische Jugend, unter denen sich fast die Hälfte vorstellen kann, für einen Arbeitsplatz ins Ausland zu ziehen. Der Autor suggeriert in dem Artikel, es sei die Pflicht eines jungen Menschen für einen Arbeitsplatz in ein anderes Land zu ziehen und nicht die Pflicht der Politik und Wirtschaft, im eigenen Land für Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätze zu kämpfen.

Die europäische Jugend leidet unter der neoliberalen Politik der letzten Jahre, die insbesondere in den Staaten Südeuropas zu einer Zerschlagung des öffentlichen Arbeitsmarkts und einem massiven Stellenabbau geführt hat. In Griechenland stieg die Jugendarbeitslosigkeit von 22 Prozent im Jahr 2007 auf 44 Prozent im vergangenen Jahr. Auch in Spanien verdoppelte sie sich von 18,1 auf 38,5 Prozent. In Italien ist sie um mehr als 16 Prozentpunkte auf 36,5 Prozent gestiegen. Nun fordert das Springerblatt angesichts dieser Entwicklung, dass die Jugend umziehen und sich woanders einen Job suchen solle.

Dabei wäre die »Welt« eine der ersten Zeitungen, die sich empören würde, wenn Millionen jugendlicher Erwerbsloser aus Südeuropa nach Deutschland zögen. Abgesehen von der Tatsache, dass diese Tageszeitung eine strikte politische Linie der Heroisierung deutscher Austeritätspolitik predigt und den neoliberalen Kurs der EU verteidigt, versucht sie ein weiteres Mal, die eigentlichen Opfer dieser verheerenden Politik in die Schuldrolle zu drängen.

Die Ursachen liegen eindeutig woanders: Nicht die heute erwerbslose Jugend ist schuld an ihrer Situation, sondern die Austeritätspolitik der Europäischen Union. Diese Politik sogenannter Sparmaßnahmen wird maßgeblich von der deutschen Bundesregierung vorangetrieben. Ebendiese hat überall im Süden Europas zu einer massiven Rezession geführt, für die die Krisenstaaten auch noch abfällig als »PIIGS«-Staaten bezeichnet wurden, weil sie nicht schnell genug die von Deutschland und Frankreich geforderte Politik umsetzten.

Statt eine Umfrage zu machen, die die Bereitschaft junger Menschen abfragt, ihr Heimatland zu verlassen, nur um diese dann – bei fehlender Bereitschaft, abfällig zu behandeln, bedarf es einer Perspektive gegen Jugendarbeitslosigkeit. Grundlegend dafür ist ein Ende der sogenannten Sparpolitik und stattdessen der Kampf für mehr Ausbildungsplätze und Arbeitszeitverkürzungen. Nötig ist zudem ein massives Investitionsprogramm, das zukunftsfähige Arbeitsplätze in den jetzigen Krisenländern schafft. Ohne einen radikalen Kurswechsel wird es bei der hohen Jugendarbeitslosigkeit bleiben. Diese zu beenden ist entscheidend. Ob Menschen migrieren oder nicht, sollte ihre Entscheidung bleiben.

Ein Beitrag von Jules El-Khatib, Jugendpolitischer Sprecher Linke.NRW, Igor Gvozden, Kreissprecher Linke Aachen, Fotis Matentzoglou, Kreisvorstand Linke Recklinghausen

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