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Das Volkswagen-Steuer kommt in Hardlinerhand

Kernmarkenchef Herbert Diess soll Konzernboss Matthias Müller ablösen - Umstrittene Äußerungen sorgten für Unmut

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die wahren Strippenzieher der weltgrößten Autoschmiede haben bereits über Matthias Müllers Abgang bei der Volkswagen AG entschieden, heißt es in der Wirtschaftsszene. Die wahren Konzernlenker, das seien die Ur-VW-Familien Porsche und Piëch, die zusammen 52 Prozent der Unternehmensanteile besitzen, das Land Niedersachsen mit 20,2 Prozent der Stimmrechte, das arabische Emirat Katar mit immerhin 17-prozentiger Beteiligung und nicht zuletzt der mächtige Betriebsrat.

In jenen Kreisen soll sich Müller nicht nur Freunde gemacht haben. Zwar hat der Konzern unter seiner Führung den Nettogewinn 2017 auf rund elf Milliarden Euro nahezu verdoppelt, aber: Mit so manchen Äußerungen verscherzte sich der Manager wichtige Sympathien auch im Aufsichtsrat, der die VW-Karriere des 64-Jährigen auf einer Sitzung am Freitag wohl beenden wird.

Missmut erregte Müller beispielsweise mit seinem Versuch, sein hohes Gehalt von über zehn Millionen Euro mit Verweis auf seine große Verantwortung an der Konzernspitze zu verteidigen. Und als er vor einigen Wochen in einem Interview die mögliche Begrenzung von Vorstandsgehältern mit Praktiken in der DDR verglich, verärgerte der Topmanager ein wichtiges Aufsichtsratsmitglied: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). »Komplett abwegig« sei jene Einlassung, reagierte der Regierungschef. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich im März »erstaunt« über Müllers Gehalt.

Insider wollen bei Müller einen gewissen Frust, ja Müdigkeit festgestellt haben. Ursache dafür könnten die negativen Meldungen sein, die das weltweit 640 000 Mitarbeiter umfassende Unternehmen beutelten. Die teuren und imageschädlichen Folgen des Dieselskandals ebenso wie die Versuche, bei denen Affen Abgase einatmen mussten.

Matthias Müller, bis 2015 Porsche-Vorstandschef, hatte in jenem Jahr die Leitung des VW-Konzerns übernommen. Vorgänger Martin Winterkorn war infolge des Abgasskandals zurückgetreten. Müllers Vertrag sollte bis 2020 bestehen. Verlängern wollte ihn der Spitzenmanager ohnehin nicht - nun kommt das Aus wohl früher als geplant. Weder aus dem Betriebsrat noch von der Landesregierung ist aber im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung eine Stellungnahme zu bekommen.

Schweigsam zeigt sich die politische Ebene auch noch zum designierten Nachfolger Herbert Diess. Der promovierte Ingenieur aus München hatte seine Karriere bei Bosch begonnen, war 1996 zu BMW gewechselt, wo er in den Vorstand aufrückte. 2015 übernahm er bei VW die Verantwortung für die Kernmarke Volkswagen. Schon in dieser Vorstandsposition erwies sich der 59-Jährige als Hardliner, so etwa im Streit mit dem starken Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh um den »Zukunftspakt«. Dieser soll die Ertragslage des Unternehmens sichern und verbessern. Im Zuge dieser Vereinbarung werden allein in Deutschland 23 000 Arbeitsplätze abgebaut.

In Medien wird Diess als Mann charakterisiert, der »keine Schwierigkeit hat, sich Feinde zu machen«. Auch mit dem Attribut »meistgehasster Mann im VW-Vorstand« wurde er schon belegt. Seine besondere Sympathie, heißt es, gelte der Elektromobilität, die wolle er auch bei VW forcieren.

Dem Vernehmen nach wird neben Müller auch Personalchef Karlheinz Blessing seinen Vorstandssessel räumen müssen. Der 60-Jährige könnte jedoch eine andere Position im Konzern bekleiden, wird geraunt. Blessing war Anfang der 1990er Jahre Bundesgeschäftsführer der SPD. Nach zwei Jahren in der Politik wechselte er in die Wirtschaft, war jahrelang in der Stahlindustrie in verantwortlicher Position tätig, seit 2016 sitzt er am VW-Vorstandstisch. Seinen Platz dort wird voraussichtlich Gunnar Kilian einnehmen, bislang Geschäftsführer des Betriebsrates.

Auch der Posten von Audi-Chef Rupert Stadler steht offenbar im Rahmen der Personalrochade zur Disposition. Allerdings hat BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, der als möglicher Stadler-Nachfolger gehandelt wurde, sein Desinteresse bekundet. »Nein, ich will nicht Audi-Chef werden«, sagte Fröhlich am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Zu seinem früheren BMW-Kollegen Diess habe er kein Verhältnis - weder ein gutes noch ein schlechtes.

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