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Beats gegen Rassismus

Der Berliner Musiker Shon Abram wurde Opfer eines rassistischen Angriffs. In der Kantine am Berghain steigt ein Solidaritätskonzert

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Shon Abram ist ein Mensch, der viel herumgekommen ist. Seine Arbeit hat den in Hollywood geborenen Künstler nach Japan, Russland, Südafrika, Namibia, in die Slowakei und nach Mexiko geführt. Seit sechs Jahren lebt er in Berlin. Shon Abram ist ein vielseitiger Artist, er ist Tänzer, Sänger und Songschreiber und Schauspieler. Abram stand schon in jungen Jahren bei Steven Spielbergs Peter-Pan-Adaption »Hook« vor der Kamera, 2016 spielte er seine erste Hauptrolle im deutschen Mysteryfilm »The Key«. Als Sänger stand er mit Conchita Wurst auf der Bühne und lieh seine Stimme der US-Rockband Imagine Dragons. Shon Abram ist ein Mensch, der sich nicht versteckt. Als 2014 Wladimir Putin die Olympiade als PR-Spektakel nutzte, um die Beschneidung von Menschen- und Bürgerrechten in Russland zu bemänteln, sang Abram den vom Berliner LGBT (Lesbian-Gay-Bisexual-Transgender)-Aktivisten Johannes Kram komponierten Protestsong »Love is not for Propaganda«.

Am 29. Dezember letzten Jahres feierte Shon Abram den Geburtstag eines Freundes in einem Musikklub in Wrocław. Und wurde dort Opfer eines Gewaltverbrechens. An der Garderobe des Klubs wurde Abram rassistisch beleidigt, anschließend von hinten niedergeschlagen und am Boden liegend getreten und mit Pfefferspray attackiert. Hintergrund des heimtückischen Angriffs: Shon Abram hat eine dunkle Hautfarbe.

Dieser Angriff blieb nicht folgenlos. Der Musiker hatte kurz zuvor an beiden Augen Operationen vornehmen lassen. Da ihm vor Ort jede Hilfeleistung verweigert wurde, setzte sich Abram verletzt und gedemütigt in den Bus. Erst in Berlin konnte er sich in medizinische Behandlung begeben. In der Charité versuchten die Ärzte, in einer Notoperation das Sehvermögen seines linken Auges zu retten - mit mäßigem Erfolg; bis heute ist unklar, inwieweit sein Augenlicht wiederhergestellt werden kann.

Seine Arbeit als Musikerzieher in einer Kita musste Abram aufgeben, und auch der Tätigkeit als Dozent an einer Musikschule konnte er monatelang nicht nachgehen. Wegen wiederkehrender Panikattacken ist er in Therapie. Doch will sich der Berliner nicht kleinkriegen lassen: »Ich hasse Rassismus«, erklärte Abram nach dem Angriff, »und werde es nicht zulassen, dass Menschen mir etwas sagen oder tun, weil ich schwarz bin. Darauf werde ich immer bestehen, weil es ein Menschenrecht ist.«

Mittels einer Spendenkampagne wurde jetzt Geld gesammelt, das Abram angesichts der Verdienstausfälle und der Behandlungskosten gut brauchen kann. Und am Freitag steht Shon Abram erstmals seit jenem schrecklichen Tag im Dezember wieder auf der Bühne.

In der Kantine am Berghain findet das lange geplante Konzert mit seiner Band YY statt. Shon Abram als souliger Sänger und Trompeter Florian Scheffler, Künstlersignet DDIY, spielen mit ihrer Live-Band Neo-Soul und Jazz-angehauchten Trip-Hop. Das Konzert ist ausdrücklich Shon Abram gewidmet, der einen Teil der Einnahmen als Spende erhält. Dem frisch getauften TeamShon haben sich die Berliner (alternative) Hip- Hop-Formationen hinsetzen PausE und Lexodus angeschlossen. Angesichts weiterer musikalischer Gäste aus den Genres Singer/Songwriter, Jazz und Reggae/Cumbia dürfte es - trotz dunkler Vorgeschichte - ein bunter Abend werden. Shon Abram blickt optimistisch in die Zukunft. Im Sommer erscheint das neue Studioalbum von YY, voraussichtlich im Herbst sein Soloalbum.

13. April, 19.30 Uhr, Berghain, Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain (Einlass: 19 Uhr)

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