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Frühe Kita stärkt das Kind

Eine Studie zeigt, wie sich die Betreuung auf die Persönlichkeit von Jugendlichen auswirkt

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 3 Min.

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Kinder entwickeln sich bekanntlich sehr unterschiedlich. Während die einen schon vor dem Schulbeginn anfangen zu schreiben, entwickeln andere Kinder früh motorische Fähigkeiten oder haben einen Sinn für soziales Verhalten. Schwierig ist es, Kinder im Kita-Alter über einen Kamm zu scheren. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat nun aber untersucht, inwiefern ein früher Kita-Eintritt Aufwirkungen auf die Persönlichkeit von Jugendlichen hat. Das Ergebnis ist verblüffend: Kinder, die zeitig in eine öffentliche Betreuung kommen, sind als Jugendliche durchsetzungsfähiger und gewissenhafter. »Ein zusätzliches Kita-Jahr wirkt sich deutlich auf Persönlichkeitseigenschaften aus, die auch für den späteren Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg entscheidend sind«, sagt Studienautorin Frauke Peter.

Für die Untersuchung haben die Wissenschaftler Daten des Nationalen Bildungspanels zu mehr als 4500 Neuntklässlern analysiert, die entweder 1997 oder 1998 eine Kita besuchten. Zu der Zeit war der Rechtsanspruch auf eine Kita-Betreuung ab dem vierten Lebensjahr gerade eingeführt, die Kommunen kamen mit dem Ausbau aber oftmals nicht nach und erließen daher häufig eine Stichtagsregelung. Kinder, die vor Beginn eines Kita-Jahres im August oder September drei Jahre alt wurden, bekamen einen Platz, die anderen erst ein Jahr später.

Dieser Umstand veranlasste die Forscher dazu, den Fokus ganz auf die Platzvergabe und das Eintrittsalter zu legen. Analysen auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels halfen, Faktoren wie Bildungshintergrund und Einkommen der Eltern außer Acht zu lassen. Die Untersuchung belegte, dass jene Kinder, die aufgrund ausreichend vorhandener Plätze mit drei Jahren in eine Kita gehen konnten, »deutlich kommunikativer und durchsetzungsfähiger« seien als Jugendliche, die erst ein Jahr später einen Kita-Platz bekamen, schreibt das DIW. »Der entsprechende Effekt liegt bei acht Prozent, bei der Persönlichkeitsdimension Gewissenhaftigkeit sind es sieben Prozent.«

Nun hat sich die Betreuungssituation in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. Gingen in den späten 90er Jahren nur etwa 30 Prozent der Dreijährigen in eine Kita, ist der Besuch für Kinder ab dem Alter von drei Jahren heute fast obligatorisch. Rund 94 Prozent besuchen derzeit eine öffentliche Einrichtung. 2013 hat die Bundesregierung einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz auch für unter Dreijährige eingeführt. Mittlerweile geht auch jedes dritte Kind dieser Altersgruppe in eine Kita, Tendenz steigend.

Die DIW-Studie hat zwar Jugendliche untersucht, die in den 90er Jahren mindestens drei Jahre alt waren, dennoch ließen sich Parallelen zur derzeitigen Situation vermuten, erklärt die Bildungsökonomin Josefine Koebe. »Auch für das heute noch jüngere Kita-Eintrittsalter ist zu erwarten, dass ein Unterschied beim Kita-Eintritt um ein Jahr die Persönlichkeitseigenschaften längerfristig beeinflusst.« Dafür spreche auch, dass für die aktuelle DIW-Studie zwei völlig voneinander unabhängige Datensätze verwendet wurden, die beide zum selben Ergebnis führen.

Das Institut spricht sich für einen forcierten Ausbau der Betreuung aus, legt aber Wert auf eine bessere Qualität der Einrichtungen. Insbesondere der Personalschlüssel müsse verbessert werden. »Davon würden nicht nur die Kinder selbst, sondern die Volkswirtschaft als Ganzes profitieren - schließlich legt eine qualitativ gute frühkindliche Bildung heute den Grundstein für gut ausgebildete Erwerbstätige von morgen«, erklärt der Studienautor Maximilian Bach.

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