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Schocktherapie und Neuanfang in München

Alexander Ludewig ist gespannt auf Niko Kovac beim FC Bayern

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

Was für ein Freitag beim FC Bayern! Ein 13. eben. Paraskavedekatriaphobie - so nennen Psychologen die Angst vor diesem Datum. Mentale Hilfe können die Münchner jetzt durchaus gebrauchen. Denn dieser Freitag bescherte ihnen zunächst eine Schocktherapie: Real Madrid als Gegner im Halbfinale der Champions League. Gegen den Titelverteidiger aus Spanien hat der FC Bayern in den vergangenen Jahren wieder eine kleine Phobie entwickelt. 2017 kam das Aus im Viertelfinale, 2014 im Halbfinale.

Das entscheidendere Ereignis trug sich zehn Minuten vor der Auslosung zu, wird aber erst in der kommenden Saison Folgen haben: Niko Kovac wurde offiziell als neuer Trainer vorgestellt. Es ist ein Neuanfang beim FC Bayern, vergleichbar mit der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann im Jahr 2008. Denn nach dem gescheiterten Experiment hatte der FC Bayern nur klangvollen Namen wie Heynckes, van Gaal, Guardiola und Ancelotti vertraut.

Viel erfahrener als Klinsmann damals ist Kovac auch nicht. Als Nationaltrainer Kroatiens scheiterte er bei der WM 2014 in der Vorrunde. Immerhin: Er kennt den Bundesligaalltag. Mit Eintracht Frankfurt hatte er zuletzt zwei wirklich gute Jahre. Aber: Der FC Bayern ist eine ganz andere Welt, alles ist größer. In diesem Sinne kann man die Entscheidung der Münchner Verantwortlichen mutig nennen.

Vielleicht waren sie aber auch nicht mutig genug - um beispielsweise einen Trainer wie Thomas Tuchel zu verpflichten. Einen, der auch in München selbstbewusst einen großen Kompetenzbereich eingefordert hätte. Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic lobte Kovac am Freitag jedenfalls wie folgt: »Er arbeitet sehr akribisch, sehr fleißig und passt sich unseren Strukturen an.«

Zurück zur aktuellen Saison, denn auch sie beeinflusst die neue. Zurück also zu Jupp Heynckes, Bayerns Nummer eins auf der Trainerwunschliste. Wo Kovac da wohl stand? Heynckes jedenfalls war der letzte Münchner Trainer, der Real Madrid in einer K.o.-Runde bezwingen konnte, 2012 im Halbfinale. Ein Jahr später führte er den FC Bayern zum Sieg in der Champions League. Deutscher Meister ist er jetzt auch schon wieder. Das Triple mit Pokal- und Königsklassengewinn ist noch möglich, wie 2013.

An diesen Erfolgen ist sogar Guardiola gescheitert. Je mehr Heynckes gewinnt, desto schwerer wird es für Kovac. Denn seine Erwartungen und Ziele wird der FC Bayern trotz des Neuanfangs nicht herunterschrauben. Vielleicht steht dieser Freitag, der 13. in München mehr für die Angst vor einem Unglück in der Zukunft als für die Real-Madrid-Phobie.

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