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Abstecher nach Neu-Seen-Land

Im Lausitzer Tagebauland entsteht eine Tourismusregion - Ende April stellt sie sich vor

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Geführte Tour zum Senftenberger Hafen
Geführte Tour zum Senftenberger Hafen

Anderthalb Jahre ist es her, da war der Partwitzer See noch kein sehr einladendes Gewässer. Sein raues Ufer, dessen kleinerer Teil zu Brandenburg und der Rest zu Sachsen gehört, erinnerte an vielen Abschnitten noch an die Zeit, als hier die Bagger im Tagebau Skado Braunkohle förderten. Nach dessen Einstellung war das Areal zwischen Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) und dem sächsischen Elsterheide in den 1990ern saniert und das Tagebaurestloch geflutet worden. Doch noch im Herbst 2016 war dieser Prozess nicht abgeschlossen, zog das Kalkschiff »Klara« seine Bahnen, weil das Wasser des Sees deutlich zu sauer für Mensch, Tier und Pflanzen war.

Noch läuft die Bekalkung durch den Bergbausanierer, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Bis zu 27 Meter tief ist das türkisblaue Wasser des Sees, den bald Bootssportler, Camper und Badegäste ganz für sich erobern sollen. Mit 11,2 Quadratkilometern bietet er reichlich Potenzial für eine touristische Nutzung. Aber noch immer ist an einigen Uferabschnitten die Gefahr von Rutschungen im Böschungsbereich nicht endgültig gebannt. Immerhin hat sich inzwischen die Wasserqualität des Sees deutlich verbessert, hat sich bei der sächsischen Ortschaft Klein Partwitz der 2013 gegründete 1. Segelclub Partwitzer See e.V. angesiedelt. Der Verein begrüßt in diesem Jahr anlässlich der Seentage die Windjammer schon am 28. zum ersten Training, Saisonstart ist offiziell am 1. Mai.

Klein Partwitz, Ortsteil der Gemeinde Elsterheide, ist diesmal Gastgeber der Seenlandtage, des traditionellen Schaufensters für das entstehende Urlauberparadies in der »größten von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft Europas«. Am Partwitzer See findet am 28. April die Auftaktveranstaltung statt, die ein zweitägiges Erlebniswochenende einleitet. Darüber informierte in der vorigen Woche der Veranstalter, der Tourismusverband Lausitzer Seenland, bei der Vorstellung des Programms. Demnach wird eine Vielzahl von touristischen Anbietern mit außergewöhnlichen, zum Teil kostenlosen Angeboten um die Besucher werben. Wie zu erfahren war, will sich der Segelclub Partwitzer See potenziellen Mitgliedern präsentieren, öffnet das schicke Segelsportzentrum mit Vereinsheim und Bootshäusern für Besucher.

Rund 30 Veranstaltungen weist der Programmflyer aus, darunter zahlreiche Erkundungen durch das umliegende Seenland. An beiden Veranstaltungstagen werden geführte Touren mit dem Fahrrad, Boot und Quad sowie besondere Führungen und Rundfahrten angeboten. Allein sieben geführte Radtouren von 21 bis 49 Kilometer Länge durch die Tagebaufolgelandschaft und entlang der neuentstandenen Seen sind darunter.

Betrüblich für Besucher der Seenlandtage ist sicher die anhaltende Sperrung des Senftenberger Sees für Wassersportaktivitäten. Folglich dürfen auch keine Boote oder Flöße eingesetzt und auf dem Gewässer betrieben werden. Der 1300 Hektar große See ist eines der bekanntesten Ausflugsziele in dieser Region Brandenburgs. Sorgen bereiten den Experten des Bergbausanierers LMBV anhaltende geologische Veränderungen des Untergrunds im Bereich der Insel im Senftenberger See, von denen erhebliche Gefahren ausgehen. Zunächst bis 30. April gilt eine entsprechende Anordnung der Schifffahrtsbehörde im Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV). Grund dafür sei das »Fehlen der verkehrsgerechten Betonnung eines geotechnischen Sperrbereichs um die Insel sowie einer Vielzahl von Untiefen« im nördlichen Bereich der Insel. Von dieser Anordnung ausgenommen seien aber die Fahrgastschifffahrt sowie Boote der Fischerei und des öffentlichen Dienstes. Erst 2018 will die LMBV mit Schwimmbaggern den gefährlichen Untiefen zu Leibe rücken. Die gehen zurück auf die in diesem Bereich des damaligen Tagebaus Niemtzsch eingesetzte Abraumförderbrücke.

Das Lausitzer Seenland ist ein länderübergreifendes Großprojekt, für das die LMBV berg- und wasserrechtlich verantwortlich ist. Nach Angaben des Tourismusverbandes umfasst das Projekt 26 Seen mit Gesamtfläche von mehr als 14 000 Hektar, womit sie der Mecklenburgischen Seenplatte Konkurrenz macht. Zehn Seen mit einer Wasserfläche von insgesamt 7000 Hektar sollen künftig schiffbar miteinander verbunden sein. Die Reiseregion reicht vom Bärwalder See im Osten bis zum Grünewalder Lauch im Westen, das sind 66 Kilometer. In der Nord-Süd-Ausdehnung zwischen Bärwalder und Gräbendorfer See sind es 44 Kilometer. Verwaltungsrechtlich zuständig sind in Brandenburg die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Elbe-Elster, in Sachsen Bautzen und Görlitz.

Zwischen 1991 und 2017 haben der Bund und die betroffenen Länder 9,9 Milliarden Euro für die Braunkohlesanierung eingesetzt. Davon entfallen 4,6 Milliarden Euro auf die Brandenburger Lausitz, bis 2022 folgen nochmals 615 Millionen Euro. Der Eigenanteil des Landes wächst bis dahin um 212 Millionen Euro auf insgesamt 1,31 Milliarden Euro.

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