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Das Handy weiß Bescheid

Leipziger Studierende haben einen Organspende-Ausweis als digitale Version entwickelt

  • Von Heidrun Böger, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Eine App, die Leben rettet, haben Studierende der Hochschule für Telekommunikation Leipzig in Sachsen programmiert. Mit ihr kann man verbindlich festlegen, ob und welche Organe im Falle eines Hirntodes gespendet werden sollen. Noch gibt es diese Anwendungssoftware für Mobilgeräte nur als Prototyp.

»Im digitalen Zeitalter sollte eine solche App eigentlich selbstverständlich sein«, meint Melanie Pufahl, die nach Beendigung ihres Studiums als Softwareberaterin arbeitet. Die 22-Jährige studierte bis vor Kurzem - genauso wie Florian Bosdorff - an der Hochschule für Telekommunikation in Leipzig. Die hat 1500 Studierende aus ganz Deutschland.

Professorin Sabine Radomski legt im Fachbereich »Software Engineering«, also Entwicklung von Software, viel Wert auf Praxisbezug. So entstand die Idee der App, die ähnlich wie ein Organspende-Ausweis funktioniert, nur eben digital. »Die Studierenden mussten sich nicht nur um die Software-Entwicklung, sondern auch um die Aufgabenverteilung, das Backup, die Dokumentation und vieles mehr kümmern«, sagt die Professorin. »Das komplette Programm. Das ist viel interessanter als Auswendiglernen mit dem Vergessen sofort danach.« Die verschiedenen Teams konkurrierten in einem Wettbewerb, den das Team um Melanie Pufahl und Florian Bosdorff mit ihrem Projekt gewann.

Ein Semester lang haben zwölf Studierende die App entwickelt. Wenn sie später einmal online verfügbar ist, kann man sie sich auf das Smartphone laden. Bosdorff arbeitet inzwischen als Software-Entwickler. »Es gibt allgemeine Informationen zur Organspende, einen FAQ-Bereich, ein Quiz und weiterführende Links«, erzählt er. Nicht zuletzt will das Team auch mit Vorurteilen in Sachen Organspende aufräumen.

Entscheidend ist aber die Möglichkeit, die Entscheidung zur Organspende festzuhalten. Dazu richtet man einen Account - also ein Benutzerkonto - mit Passwort ein. Man fotografiert sich selbst mit einem von der App generiertem Einmalcode und schickt das Foto an eine Datenbank, wo es hinterlegt wird. So kann später im Fall eines tatsächlich eingetretenen Hirntodes der oder die Transplantationsbeauftragte der Klinik nach einem Blick in die Datenbank feststellen, welche Verfügung die Person getroffen hat. Auch die Entscheidung, nicht spenden zu wollen, kann hinterlegt werden.

»Natürlich kann man«, sagt Melanie Pufah, »weiter einen Organspende-Ausweis auf Papier oder als Plastikkarte mit sich führen.« Den Ausweis gibt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als kleines Kärtchen. Man kann dort eintragen, ob man zur Spende bereit ist und welche Organe man im Falle des Todes freigeben würde. Eine entsprechende Online-Version für das Betriebssystem iOS speichert Daten auf dem eigenen Mobiltelefon.

Das Prinzip funktioniert aber nur, wenn ein potenzieller Organspender sein Smartphone dabei hat und es nicht durch ein Passwort gesichert ist. Gibt es keine Informationen, fragt der oder die Transplantationsbeauftragte der Klinik die Hinterbliebenen, die in einer emotional stark aufgeladenen Situation, diese wichtige Entscheidung treffen müssen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahre 2016 sind 81 Prozent der Deutschen einer Organ- oder Gewebespende gegenüber aufgeschlossen. Letztendlich füllen aber nur 32 Prozent auch einen Spenderausweis aus.

Die neue App könnte helfen, bestehende Hürden zur Beschaffung eines Ausweises abzubauen. Die elek-tronische Version ist schnell heruntergeladen, wobei die App die sensiblen Angaben auf einem zentralen Server sichert. Die elektronischen Daten dort sind sicherer geparkt als die auf dem Ausweis. Noch befindet sich die Datenbank, das Herzstück der App, auf Florian Bosdorffs heimischem Rechner. Das Team von Bachelor-Absolventen sucht derzeit nach Partnern, mit denen sie die App auf den Markt bringen können. Es gibt eine Facebook-Seite, über die die Entwickler auf die App aufmerksam machen wollen. Melanie Pufahl: »Für uns ist das eine Herzensangelegenheit.«

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