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Wir sind die Guten

Das Atze-Musiktheater huldigt Malala Yousafzai, die ihren Einsatz für Bildung fast mit dem Leben bezahlt hätte

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Das Schicksal der Paschtunin Malala Yousafzai ist so beeindruckend, dass die Kunde davon um die Welt ging. Weil sie in ihrer pakistanischen Heimat den frauen- und bildungsfeindlichen Geboten der Taliban trotzte und nicht nur weiterhin zur Schule ging, sondern in einem BBC-Blog auch öffentlich von ihrem Alltag unter der Herrschaft religiöser Fanatiker berichtete, wurde sie im Oktober 2012 zu deren Opfer: Bewaffnete stoppten den Bus, in dem Malala saß, und schossen ihr in den Kopf.

Wie durch ein Wunder überlebte das Mädchen, das damals 15 Jahre alt war. Und wie ein Wunder wird Yousafzai selbst seit ihrer Genesung in einem englischen Krankenhaus durch Medien und Politik gereicht. Sie sprach vor der Jugendversammlung der UNO, schrieb eine Autobiografie, war zu Gast bei Obama und wurde mit Auszeichnungen überhäuft. 2014 wurde sie zur mit Abstand jüngsten Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten gekürt.

Erstaunlich souverän scheint die junge Frau sich in die ihr zugedachte Rolle als Symbol für den Kampf um das Gute zu fügen und die Vergötterung, die ihr zuteil wird, für die Verbreitung ihrer Anliegen zu nutzen. Ein Theaterstück aber, wie es jetzt im Weddinger Atze-Musiktheater uraufgeführt worden ist, hätte durchaus der Tatsache Rechnung tragen können, dass es auch in Yousafzais Leben offene Fragen, wunde Punkte und Widersprüche geben dürfte. Stattdessen erschöpft sich Gökşen Güntels »Malala«-Inszenierung für Kinder ab zehn, basierend auf dem Buch »Malala - für die Rechte der Mädchen«, in der Bebilderung der bekannten Heldinnengeschichte.

Die theatralischen und musikalischen Mittel, die das Atze-Team dafür auf seiner Studiobühne gefunden hat, wissen zu überzeugen. So werden Szenen, in denen brutale Gewalt die Hauptrolle spielt, per Livevideo auf eine Leinwand projiziert. Das nimmt ihnen nicht den Schrecken, aber doch den unmittelbaren Schock. Gleich am Anfang - und noch einmal kurz vor dem Ende - steht das Attentat. Dazwischen wird Malalas Werdegang in einer knapp 90-minütigen Rückblende von nur drei Schauspielern (Dela Dabulamanzi, Javeh Asefdjah, Rasmus Max Wirth) in wechselnden Rollen erzählt. In kleinen Puppenspielszenen verwandeln sich zudem auch Kleidungsteile in handelndes Personal.

Neben der Spielfreude des Ensembles und der faszinierenden Geschichte sorgt das Ambiente dafür, die jungen Zuschauer zu fesseln. Orientalische Kostüme und Instrumente wie Sitar, Rabab und Tabla, gespielt von Sebastian Dreyer, tragen ihren Teil dazu bei. Der Versuch, durch eine ins Spiel integrierte Umfrage einen Bezug zur Lebenswirklichkeit hiesiger Schüler herzustellen, wirkt hingegen etwas bemüht.

Erstaunlich für ein Stück, das den Mut würdigt, unter lebensbedrohlichen Bedingungen Fragen zu stellen, wirkt die Scheu vor dem Widerspruch. Sobald ein innerer Konflikt aufblitzt - etwa in der Rolle des Vaters, der das Leben seiner Tochter aufs Spiel setzt, um die gute Sache voranzubringen -, wird er flugs überspielt. So endete die Uraufführung am Sonntag zwar im einhelligen Beifall auch der anwesenden Politprominenz von Cem Özdemir bis zum pakistanischen Botschafter. Über ein wohlmeinendes Stück pädagogischen Konsenstheaters geht »Malala« aber nicht hinaus. Statt eine tiefer greifende Auseinandersetzung mit Yousafzais Schicksal und den Problemen zu provozieren, die sich darin spiegeln, bleibt nur die Erkenntnis: Wir sind die Guten.

Nächste Vorstellungen: 17., 18., 21.4.

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