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Pendler zwischen Job und Jobcenter

Studie: Zu wenig Förderung für Langzeitarbeitslose

  • Von Roland Bunzenthal
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Beschäftigung steigt und steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt, wenn auch längst nicht im gleichen Umfang. Noch weniger profitieren Langzeitarbeitslose vom gegenwärtigen Boom. Die Hälfte ist nach einer Vermittlung schon nach ein bis drei Monaten wieder im Jobcenter. Der Fachausdruck lautet Langfristleistungsbezieher. Insgesamt 2,7 Millionen Menschen pendeln zwischen (prekären) Jobs und Hartz IV.

Das zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehörende Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beschäftigt sich seit längerem mit dieser Gruppe. Insgesamt 860 000 Menschen sind länger als ein Jahr erwerbslos - rund 200 000 gar mehr als drei Jahre. Die durchschnittliche Verweildauer in Arbeitslosigkeit stieg seit 2012 von 555 auf 650 Tage.

Am Beispiel Hessen zeigt das Institut auf, dass die Förderung der »Dauerkunden« der Jobcenter langfristig nicht greift. Nennt die Bundesagentur doch als ihr oberstes Ziel, »nachhaltige und dauerhafte Beschäftigung« zu schaffen. Rund 16 000 Arbeitslose wurden vom IAB sechs Jahre beobachtet. Nur ein gutes Viertel findet demnach innerhalb von 72 Monaten dauerhaft eine ungeförderte Teil- oder Vollzeitbeschäftigung. Knapp ein Viertel wird zu Langzeitleistungsbeziehern. Sechs Prozent verdienen so wenig, dass sie aufstockendes Arbeitslosengeld II brauchen. Der Rest beendet den Leistungsbezug etwa wegen eines Studiums, einer Selbstständigkeit oder dem Renteneintritt.

Für Frank Martin, Leiter der BA-Regionaldirektion Hessen, ist die Studie eine Bestätigung dafür, wie wichtig Ausbildung und berufliche Qualifikation für die Rückkehr in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind: Die BA »unterstützt«, so Martin, »mit umfassenden Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten«. Die Studie zeige auch, dass überwiegend Höherqualifizierte sowie Personen, die auf umfangreichere Erwerbserfahrung zurückblicken können, schneller und nachhaltiger in den Arbeitsmarkt integriert würden. Ältere, Behinderte, Migranten sowie Leistungsbezieher, die früher bereits öfter mit Arbeitslosigkeit konfrontiert waren, haben ein höheres Risiko, länger im Hartz-IV-Bezug zu verbleiben.

Doch für viele Menschen mit psychischen oder physischen Handicaps ist eine längere berufliche Fortbildung keine realistische Perspektive. Die Hoffnung auf eine bessere Integration Langzeitarbeitsloser ruht deshalb auf dem Konzept eines zweiten, staatlich finanzierten Arbeitsmarktes. Doch komme es sehr darauf an, betont das IAB, in welchen Berufsfeldern und von wem die Ein-Euro-Jobs durchgeführt werden. Die Maßnahmen können für länger in der Arbeitslosigkeit verharrende Menschen eine Chance zur Rückkehr ins Berufsleben darstellen. 65 000 Teilnehmer gibt es gegenwärtig - 13 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Das Spezialprogramm für Langzeitarbeitslose zählt 11 000 Teilnehmer, ein Minus von zehn Prozent. Statt die Förderung auszubauen, schrumpfen die Teilnehmerzahlen bei Fördermaßnahmen: 366 000 Hartz-IV-Bezieher wurden im Februar 2018 qualifiziert oder durch Lohnzuschüsse gefördert - 10 000 weniger als im Februar 2017.

Dass die Dauer des Verbleibs im Hartz-IV-System steigt, sei »ein blamables Ergebnis für die Regierung, aber auch logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands«, kommentiert die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann: Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden.

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