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Hauptkreditgeber China

Der IWF sorgt sich um die Finanzstabilität armer Länder, die an der »neuen Seidenstraße« liegen

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sie tickt in New York City, die »Nationale Schuldenuhr« der Vereinigten Staaten. Mehr als vier Billionen Dollar zeigt sie derzeit an. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben die Uhr in dieser Woche zum Leitmotiv für ihre Frühjahrstagung gewählt, die am Sonntag in Washington zu Ende geht. In den vergangenen drei Dekaden haben viele Länder versucht, durch Fiskalregeln ihre Schuldenprobleme in den Griff zu kriegen. Ohne rechten Erfolg, findet der IWF. Eine neue Analyse von mehr als 90 Staaten kommt zu dem Ergebnis, dass die Regeln »zu komplex, zu rigide oder kaum durchzusetzen sind«. Als Beispiel wird die EU genannt, die die jährliche Neuverschuldung auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung festgeschrieben hat.

Die Schuldenlast der Welt nahm seit 1997 von rund 70 Billionen auf 230 Billionen Dollar Ende 2017 zu. Die meisten Verbindlichkeiten weisen Unternehmen auf, danach folgen Staaten, Banken und Private. Nach Berechnungen des Institute of International Finance - sie sind aktueller und umfassender als die des IWF - entsprechen alle Schulden mehr als dem Dreifachen der globalen Wirtschaftsleistung. Allerdings bremst die günstige Konjunkturentwicklung das Schuldenwachstum ein wenig. Für die großen Volkswirtschaften hat der IWF seine Prognose vom Herbst jetzt noch einmal nach oben korrigiert: Für die Weltwirtschaft erwartet die UN-Finanzinstitution für dieses und das kommende Jahr jeweils ein recht kräftiges Wachstum von 3,9 Prozent.

Doch die Schuldenuhr tickt weiter, auch außerhalb von New York. Die Direktorin des IWF, Christine Lagarde, legte sich in dieser Frage mit Peking an. Während ihrer China-Reise vergangene Woche warnte die Französin davor, den ohnehin vergleichsweise hoch verschuldeten armen Entwicklungsländern mit dem Seidenstraßenprojekt weitere Lasten aufzubürden. Chinas Präsident Xi Jinping will mit der Initiative »One Belt, One Road« in vielen Staaten Häfen, Zugstrecken, Straßen, Flugplätze, Kraftwerke, Raffinerien und Freihandelszonen errichten. Mehr als 100 Länder soll die »neue Seidenstraße« verbinden. Ermöglicht werden soll das mit zinsgünstigen Krediten der staatlichen chinesischen Förderbanken. Der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton - Rohstoffunternehmen gehören zu den Profiteuren des mit dem Infrastrukturplan verbundenen Baubooms - hat eine Datenbank aufgebaut, die schon über 2000 Projekte an der Seidenstraße umfasst.

China allein will jedes Jahr umgerechnet 150 Milliarden Dollar in die ausländische Infrastruktur investieren. Hieraus könnte für die Volksrepublik ein Problem entstehen, sollten die geplanten Projekte scheitern. Denn dann könnten Chinas Staatsbanken auf faulen Krediten in Höhe von mehreren Hundert Milliarden Dollar sitzen bleiben. Schon jetzt gilt auch China, dessen Schulden mit dem rasanten Wirtschaftswachstum ebenfalls rasant stiegen, dem IWF als Risiko für die Finanzstabilität.

Auch die wachsenden Schulden der Schwellen- und Entwicklungsländer beunruhigen den IWF. Allein Pakistan wurden von China bis zu 100 Milliarden Dollar für Seidenstraßenprojekte versprochen - angesichts eines BIP von rund 280 Milliarden eine große Entwicklungschance, aber auch ein hohes finanzielles Risiko. Solche Bedenken werden beispielsweise auch zu Laos, Malaysia und Sri Lanka geäußert. Der Inselstaat mit seinen 20 Millionen Einwohnern schuldet Chinas Konzernen sechs, nach anderen Quellen acht Milliarden Dollar. Um seine Schuldenlast zu drücken, übergab das arme Land den gerade fertiggestellten Hafen von Hambantota in einem Pachtvertrag für 99 Jahre an China.

Auch für Afrika befürchtet Lagarde eine Überschuldung. In Djibouti hat China seinen ersten Flottenstützpunkt eröffnet, in Addis Abeba wird der Flughafen ausgebaut, in Tansania soll der größte Containerhafen Ostafrikas entstehen. In der Region soll China mit seinen Krediten bereits mit der Weltbank gleichgezogen haben.

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