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ETA stellt sich ihrer Verantwortung

Die baskische Untergrundorganisation steht vor der Auflösung und bittet ihre Opfer um Vergebung

  • Von Ralf Streck, San Sebastián
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wenige Wochen vor ihrer geplanten Auflösung hat die baskische Untergrundorganisation ETA in einem bislang einzigartigen Schritt um Vergebung für die blutigen Taten der Vergangenheit gebeten. In einer selbstkritischen Erklärung verpflichtet sie sich zur »endgültigen Überwindung des Konflikts«, damit er sich »nicht wiederholen« kann. Die »sozialistische und revolutionäre Organisation« sei sich bewusst darüber, »viel Schmerz und Schaden« angerichtet zu haben, »der nicht wiedergutzumachen ist«. Deshalb hätten sich die ETA-Militanten entschieden, den »Toten, Verletzten und ihren Angehörigen« zu erklären: »Es tut uns wirklich leid.«

Die 1959 im Kampf gegen die spanische Franco-Diktatur (1939-1975) gegründete »Baskenland und Freiheit« (ETA) spricht von »maßlosem Leid«. Das hätte niemals angerichtet werden und »sich nicht solch eine lange Zeit hinziehen dürfen«. Sie spricht von »Toten, Verletzten, Entführten, Gefolterten und Flüchtlingen«, womit auch die Opfer Spaniens benannt werden. Den Konflikt habe man »geerbt«, das »Leiden« begann weit vor der ETA-Gründung und der Konflikt bestehe auch nach der Aufgabe des bewaffneten Kampfs 2011 fort.

Sie spricht von »Fehlern oder falsche Entscheidungen«, die auch völlig unbeteiligte Opfer gefordert haben, wie zuletzt beim Anschlag auf den Flughafen in Madrid 2006, bei dem zwei Ecuadorianer ermordet wurden. »Alle« in der ETA »übernehmen die Verantwortung«. Worte könnten zwar den Schmerz nicht mindern und Geschehenes nicht ungeschehen machen, trotz allem möchte sie sich öffentlich entschuldigen. Für die Zukunft sei »nichts schädlicher, als das Geschehene zu verzerren oder zu verbergen«.

Das Ziel sei »Versöhnung«, die in »Teilen der baskischen Gesellschaft schon ehrlich im Gang« sei. Die Wahrheit konstruktiv darzulegen könne beitragen, »Wunden zu schließen« und eine »Nichtwiederholung« zu garantieren. Deshalb wird eine »gerechte demokratische Lösung« für den Konflikt gefordert. Damit wird vor allem auch Spanien als Mitverantwortlicher benannt, da sich Madrid weiter jeder Konfliktlösung verweigert. Das zeigt sich auch in Katalonien. Dort fiel kein Schuss, keine Bombe wurde gezündet, doch auch dort verweigert Spanien zu verhandeln und geht repressiv gegen eine friedliche Unabhängigkeitsbewegung vor.

Die ETA setzt sich für einen gerechten »Frieden und die Freiheit des Baskenlands« ein, damit »ein für alle Mal die Flammen in Gernika gelöscht werden«. Sie erinnert zum Abschluss daran, dass auch die Basken die Republik gegen Putschisten verteidigt haben. Dafür wurde das Wahrzeichen der baskischen Eigenständigkeit im Bürgerkrieg von der deutschen Legion Condor im Auftrag spanischer Faschisten in Schutt und Asche gelegt.

Die Erklärung ist ein Schritt vor der Auflösung, die am ersten Maiwochenende im französischen Baskenland erklärt werden soll. Hier wurde vor einem Jahr von der Zivilgesellschaft die ETA-Entwaffnung abgeschlossen. Spanien wollte sich auch daran nicht beteiligen und sie sogar hintertrieben. Am Montag werden das »Sozialforum«, »Friedensweg« und die »Internationale Kontaktgruppe« (GIC) Details bekannt geben. Das GIC-Mitglied Alberto Spektorowski versicherte, die Auflösung werde »keine Zweifel« offen lassen.

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