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Privatbahn muss DB Regio anpumpen

Baden-Württemberg: Vergabe des Regionalverkehrs im Raum Stuttgart rächt sich

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Während französische Eisenbahner sich derzeit gegen eine schleichende Privatisierung und Liberalisierung des Schienenverkehrs und damit einhergehende Verschlechterungen wehren, zeigt sich auf der anderen Rheinseite gerade in der Praxis, welche fragwürdigen Folgen Ausschreibungen und Wettbewerb im Regionalverkehr haben können.

Unter der Regie von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatten die zuständigen Landesbehörden Baden-Württembergs 2014 bei der Vergabe wichtiger Bahnverbindungen im »Ländle« entschieden, dass die Deutsche Bahn-Tochter DB Regio mit ihren schnellen Regionalzügen 2019/20 stufenweise von angestammten Strecken abgelöst werden soll. Betroffen sind wichtige Verbindungen von Stuttgart nach Bruchsal, Pforzheim, Heilbronn, Würzburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen, Aalen, Crailsheim, Nürnberg und Ulm.

Der DB wurde damals im Ausschreibungsverfahren nicht der Preis, sondern ein Formfehler zum Verhängnis. Während DB-Regio-Beschäftigte damals mit einem Sarg gegen drohende Arbeitsplatzverluste und niedrigere Sozialstandards bei den neuen Betreibern protestierten, versprachen die neu zum Zuge gekommenen Privatbahnen Go Ahead und Abellio sowie Minister Herrmann umfangreiche Verbesserungen mit dem Betreiberwechsel ab 2019. Die britische Firma Go Ahead gilt als Produkt und Nutznießer der Zerschlagung der ehemaligen Staatsbahn British Rail im Mutterland der Bahnprivatisierung. Auf der Suche nach einem Brückenkopf auf dem europäischen Kontinent wurden die Manager im schwäbischen Kernland fündig. Abellio wiederum ist ein durch eine privatisierte Ausgründung der Essener Verkehrsbetriebe entstandener Verkehrskonzern. Er wurde vor Jahren von Großbanken an die niederländische Bahn verkauft und verfolgt bundesweit einen offensiven Expansionskurs im staatlich subventionierten und profitablen Regionalverkehr.

Nun zeigen neue Meldungen, dass die Neulinge im schwäbischen Eisenbahnwesen und der als DB-Kritiker bekannte Minister Hermann allem Anschein nach den Mund etwas zu voll genommen haben. So erweist es sich vor allem für Go Ahead offenkundig als unmöglich, genügend Lokführer und Zugbegleiter für einen reibungslosen Betrieb der Strecken ab 2019 anzuheuern oder auszubilden.

Dass angestammte DB-Regio-Beschäftigte offenbar kaum geneigt sind, ihren DB-Job mitsamt den erworbenen Ansprüchen an den Nagel zu hängen und bei der Konkurrenz ganz neu anzufangen, ist nachvollziehbar. Schließlich gibt es bei der DB neben einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen wichtige betriebliche Sozialleistungen, welche die Konkurrenz nicht bietet.

So musste Go Ahead von seinem hohen Ross absteigen und kleinlaut bei der DB anklopfen. Ergebnis: DB Regio stellt den Briten per Werkvertrag ab 2019 eine größere Zahl von erfahrenen und regional verwurzelten Lokführern zur Verfügung, die auf den Strecken rund um Stuttgart eingesetzt werden sollen. Ob Abellio, die zweite Privatbahn, ganz ohne geliehenes Personal der DB Regio klarkommt, muss sich noch zeigen.

Mit der neuen Form von Entwicklungshilfe hilft die DB Regio dem britischen Konkurrenten aus der Patsche und erspart ihm möglicherweise eine Riesenblamage. Bundesweit können Bahnreisende ein Lied davon singen, dass Betreiberwechsel oft mit peinlichen Pannen im Betriebsablauf einhergehen. Diese sind Bestandteil eines europaweiten Verdrängungswettbewerbs im zunehmend liberalisierten und privatisierten Schienensektor. Dabei ist die DB treibende Kraft und Getriebene zugleich. Ihre forsch auftretenden Konkurrenten sind meistens Ableger internationaler Konzerne, die es auf die Staatsgelder für den Regionalverkehr abgesehen haben.

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