Riexinger: Amazons »visionärer« Erfolg basiert auf rücksichtsloser Ausbeutung

Mehrere hundert Beschäftigte protestieren gegen Preisverleihung an ihren Chef / Nahles: Innovation zeigt sich vor allem in der Steuervermeidung

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Mehrere hundert Beschäftigte des Online-Händlers Amazon aus mehreren Ländern Europas haben am Dienstag lautstark gegen eine Preisverleihung an Konzernchef Jeff Bezos in Berlin protestiert. Sie hielten Plakate mit der Forderung nach einem Tarifvertrag in die Höhe und kündigten an, die Preisverleihung mit Pfiffen und Getrommel zu stören. Bezos wurde mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet.

Der Preis wird verliehen an herausragende Persönlichkeiten, die »außergewöhnlich innovativ sind, neue Märkte schaffen und Märkte verändern, Kultur formen und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen«. Ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger rief den Demonstranten zu, Bezos sorge dafür, dass seine Mitarbeiter »nicht 'mal in der Lage sind, von ihrer Arbeit zu leben! Das ist eine Sauerei!« Ver.di fordere Respekt und Anerkennung für die Amazon-Beschäftigten.

Nach Gewerkschaftsangaben versammelten sich 750 bis 800 Teilnehmer der Kundgebung vor dem Axel-Springer-Haus in Berlin-Kreuzberg. Amazon-Beschäftigte auch aus Polen, Italien und Spanien seien nach Berlin gekommen.

An der Veranstaltung nahmen auch ver.di-Chef Frank Bsirske, SPD-Chefin Andrea Nahles und Linkenchef Bernd Riexinger teil. Nahles kritisierte bereits am Nachmittag, das besonders innovative Unternehmertum von Bezos zeige sich vor allem darin, »dass er Weltmeister im Steuervermeiden ist«.

Vor allem aber solidarisiere sie sich mit den Beschäftigten: An den Standorten von Amazon in Deutschland gebe es zudem immer wieder Auseinandersetzungen, »weil Arbeitsbedingungen schlecht sind und ein Tarifvertrag verweigert wird«, sagte Nahles. Das sei »nicht hinnehmbar und verdient keinen Preis«.

»Amazons ‘visionärer’ Erfolg basiert auf rücksichtsloser Ausbeutung der Beschäftigten und skrupelloser Steuerflucht. Dagegen regt sich immer mehr Widerstand!«, so Riexinger.

Die Gewerkschaft ver.di kämpft seit Jahren dafür, dass die Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach Tarif im Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. Amazon argumentiert stets, das Unternehmen sei auch ohne Tarifvertrag »ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber«.

Amazon zahle in seinen Logistikzentren »am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist, an allen Standorten in Deutschland mindestens 10,52 Euro brutto pro Stunde«. Die »überwältigende Mehrheit« der Mitarbeiter arbeite auch an Tagen, an denen ver.di zum Streik aufruft, »normal«. »Ich bin sehr stolz auf die Gehälter, die wir zahlen«, sagte Bezos am Dienstag in Berlin. »Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeitsbedingungen.« Agenturen/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung