Werbung

Riexinger: Amazons »visionärer« Erfolg basiert auf rücksichtsloser Ausbeutung

Mehrere hundert Beschäftigte protestieren gegen Preisverleihung an ihren Chef / Nahles: Innovation zeigt sich vor allem in der Steuervermeidung

  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Berlin. Mehrere hundert Beschäftigte des Online-Händlers Amazon aus mehreren Ländern Europas haben am Dienstag lautstark gegen eine Preisverleihung an Konzernchef Jeff Bezos in Berlin protestiert. Sie hielten Plakate mit der Forderung nach einem Tarifvertrag in die Höhe und kündigten an, die Preisverleihung mit Pfiffen und Getrommel zu stören. Bezos wurde mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet.

Der Preis wird verliehen an herausragende Persönlichkeiten, die »außergewöhnlich innovativ sind, neue Märkte schaffen und Märkte verändern, Kultur formen und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen«. Ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger rief den Demonstranten zu, Bezos sorge dafür, dass seine Mitarbeiter »nicht 'mal in der Lage sind, von ihrer Arbeit zu leben! Das ist eine Sauerei!« Ver.di fordere Respekt und Anerkennung für die Amazon-Beschäftigten.

Nach Gewerkschaftsangaben versammelten sich 750 bis 800 Teilnehmer der Kundgebung vor dem Axel-Springer-Haus in Berlin-Kreuzberg. Amazon-Beschäftigte auch aus Polen, Italien und Spanien seien nach Berlin gekommen.

An der Veranstaltung nahmen auch ver.di-Chef Frank Bsirske, SPD-Chefin Andrea Nahles und Linkenchef Bernd Riexinger teil. Nahles kritisierte bereits am Nachmittag, das besonders innovative Unternehmertum von Bezos zeige sich vor allem darin, »dass er Weltmeister im Steuervermeiden ist«.

Vor allem aber solidarisiere sie sich mit den Beschäftigten: An den Standorten von Amazon in Deutschland gebe es zudem immer wieder Auseinandersetzungen, »weil Arbeitsbedingungen schlecht sind und ein Tarifvertrag verweigert wird«, sagte Nahles. Das sei »nicht hinnehmbar und verdient keinen Preis«.

»Amazons ‘visionärer’ Erfolg basiert auf rücksichtsloser Ausbeutung der Beschäftigten und skrupelloser Steuerflucht. Dagegen regt sich immer mehr Widerstand!«, so Riexinger.

Die Gewerkschaft ver.di kämpft seit Jahren dafür, dass die Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach Tarif im Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. Amazon argumentiert stets, das Unternehmen sei auch ohne Tarifvertrag »ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber«.

Amazon zahle in seinen Logistikzentren »am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist, an allen Standorten in Deutschland mindestens 10,52 Euro brutto pro Stunde«. Die »überwältigende Mehrheit« der Mitarbeiter arbeite auch an Tagen, an denen ver.di zum Streik aufruft, »normal«. »Ich bin sehr stolz auf die Gehälter, die wir zahlen«, sagte Bezos am Dienstag in Berlin. »Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeitsbedingungen.« Agenturen/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen