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Im Zeichen der Frage

Holger Biege tot

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Im Klang seiner Lieder war ein Ziehen, so zieht nicht bloß die Stimme, so ein Ziehen kommt vom Herzen und von Herzen. Er sang, als wolle er sagen: Wem nur immer die Wahrheit einfällt, der schweige. Zwischen den Wahrheiten, das ist der wahre Ort, wo die Fragen sich Mut zusprechen gegen die vorschnellen Antworten. Und die Ausrufezeichen. In seinem Lied »Reichtum der Welt« von 1980 fragt Holger Biege, ob es diesen Reichtum morgen noch gebe. Das Fragezeichen hält bis heute. Wie die Fragezeichen im Lied »Sagte mal ein Dichter«, darin es über das große Wort vom Guten, Schönen und Wahren wiederholt heißt: »Wie nur macht man es wahr?« Und: »Wie lebt es im Menschen fort, wo ist noch der Sinn?«

Der 1952 in Greifswald Geborene war als Junge ein leidenschaftlicher Astronom, wurde in höhere Klassen der Schule gebeten, um Sternenkunde zu betreiben. Die Aufklärung im Bund mit den Geheimnissen - stets, wenn er Klavier spielte und darüber schrieb, spürte man seine Lust am Abenteuer der Strukturen. Ton-Setzungen wie Abenteuerreisen in die Baumuster von Kristallen. So fügte er Jazz und Klassik, Chöre und Chanson zum sehr eigenen, oft orchestral schwingenden Klang-Kosmos. Seine Liedpoesie - meist zu Texten von Fred Gertz und Ingeburg Branoner - war in den 1970er Jahren auf dem Höhepunkt - und einmalig in der DDR-Popmusik. Ein unaufwändiger, feinfühliger Solitär. »Robinson«, »Will alles wagen«, »Wenn der Abend kommt« - die Lust am Leben besang er, als hätte er Unglücksglockentöne verschluckt; und seine Melancholie besaß die Heiterkeit des Kämpfers, der verlernt hat, was eine Waffe ist.

Aus großen Träumen von seinem Werk ging er stets - arbeitend. Also weiterfragend. Führen Wege vom Schlager zu Schönberg? Vom Singen zur Sinfonie? Aus Enge in die Freiheit? Letzteres ja. 1983 kehrte Biege von einer Westreise nicht zurück. Druckausgleich. 2012 erlitt er einen schweren Schlaganfall. Leben lange ohne Bewegung, ohne Sprache. In den Markt-Mechanismen war der Künstler am Rand geblieben. Wo sonst, es ist die wirkliche Reichtumsenklave. Nun ist dieser klug romantische, unvergessliche Sänger Holger Biege 65-jährig in Lüneburg verstorben. hds

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