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Martina Voss-Tecklenburg trainiert ab Herbst die DFB-Fußballerinnen

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

Nachtragend ist Martina Voss-Tecklenburg nicht. Ja, ich will, sagte sie am Donnerstag. Umworben hatte sie der Deutsche Fußball-Bund. Nun wird sie ab Herbst die DFB-Fußballerinnen trainieren. Und das, wenn alles gut geht, mindestens bis zur EM 2021.

Dass beim DFB nicht immer alles wohl überlegt und friedlich abläuft, weiß die 50-Jährige aus eigener Erfahrung. Ihre aktive Karriere in der DFB-Auswahl endete nach 125 Länderspielen überraschend. Kurz vor Olympia 2000 suchte sie das Gespräch mit der Bundestrainerin Tina Theune-Meyer. Weil ihre damalige Freundin und Mitspielerin Inka Grings sie betrogen hatte, sorgte sie sich vor dem großen Turnier um das Betriebsklima. Trainerin und Verband reagierten schnell - und warfen einen Tag später die Spielführerin aus dem Team.

Eine Erklärung bekam sie nie, dafür aber drei Jahre später ein Abschiedsspiel. Eine sehr seltene Wertschätzung. Verdient hatte sie es: als Anführerin in einer erfolgreichen Ära mit vier EM-Titeln und WM-Silber. Mit dem Spiel gegen das Nationalteam endete 2003 auch ihre Karriere im Verein. Die längste Zeit hatte sie in ihrer Geburtsstadt gespielt - neun Jahre beim FCR Duisburg, wo sie ebenfalls die prägende Figur war. Insgesamt gewann sie zehn nationale Titel und wurde 1996 zur ersten Fußballerin des Jahres gewählt.

Als der DFB 2015 Steffi Jones als Nachfolgerin von Bundestrainerin Silvia Neid wählte, zweifelte auch Voss-Tecklenburg: »Das wichtigste Amt wird mit jemandem besetzt, der keine praktische Tätigkeit als Trainer ausgeübt hat.« Sie selbst hatte einen anderen Weg gewählt: erst Nachwuchstrainerin, dann Bundesligatrainerin in Duisburg und Jena. Seit 2012 coacht sie das Schweizer Nationalteam, das sie 2015 erstmals zu einer WM führte. Mit dem FCR Duisburg gewann sie zwei Mal den DFB-Pokal und den UEFA-Women’s-Cup.

Durchgesetzt hat sich Voss-Tecklenburg überall, schon in ihrer Kindheit. Dass »Fußball nichts für Mädchen« ist, konnte sie ihrer Mutter glücklicherweise ausreden. Ihre Erfolge und Erfahrung ließen DFB-Präsident Reinhard Grindel jetzt sagen: »Sie ist die Richtige.«

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