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Danke, China

  • Von Karlen Vesper
  • Lesedauer: 2 Min.

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Im fernen Äthiopien, in der Hauptstadt Addis Abeba, steht ein Karl-Marx-Denkmal - ein Geschenk der DDR. Wie viele Monumente weltweit an den deutschen Philosophen erinnern, ist nicht bekannt. Der Mühe, sie zu zählen, hat sich wohl noch keiner unterzogen. Während jedoch global nach dem Zerfall des sogenannten Realsozialismus kein bornierter Bilder- und Denkmalssturm erfolgte, hat Marx in Deutschland einen schweren Stand, keinen festen Boden unter den Füßen. Selbst der Kraft und Geist strotzende, vom sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel geschaffene Denkerkopf in Chemnitz, vordem Karl-Marx-Stadt, sollte nach dem Willen einiger, voreilig das »Ende der Geschichte« wähnender Zeitgenossen entsorgt werden. Die Sachsen kämpften um ihren »Nischel«, nach Lenin im sibirischen Ulan-Ude die zweitgrößte Porträtbüste der Welt.

In Neubrandenburg hingegen hat man sich Marxens entledigt. Als man ihn nun zum 200. Geburtstag nach 17-jähriger Verbannung aus einem Depot befreien wollte, entbrannte wieder eine typisch deutsche Debatte: Während die LINKE die Statue von Gerhard Thieme am ursprünglichen Ort wieder aufstellen wollte, schwebte der Stadtverwaltung vor, sie aufzuhängen, schweben zu lassen, »um Diskussionen anzuregen«; die SPD wiederum will sie im Museum »kontextualisieren«.

Nicht verstummt sind die wütenden Attacken gegen die 4,40 Meter hohe und 2,3 Tonnen schwere Bronzestatue, die am 5. Mai in Trier nahe der Porta Nigra enthüllt werden soll. Ein Geschenk der Volksrepublik China. Man könnte den Schreihälsen flapsig antworten: »Einem geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul.« Wenn denn das alles nicht so beschämend, peinlich, unwürdig, unvernünftig, spießig, kleinkariert und total ahistorisch wäre. Von einem »vergifteten Geschenk« bis hin zur »Verhöhnung der Opfer des Kommunismus« reicht die Palette der Vorbehalte und Vorwürfe.

Weishan Wu zeigt einen nachdenklichen Marx im Gehrock. Mir gefällt er. Ein Holzdummy war im vergangenen Jahr zu sehen. Im Trierer Stadtrat votierten nur AfD und FDP gegen die Statue, die CDU nannte Marx »einen großen Sohn der Stadt«. In Barmen/Wuppertal, wo Freund Friedrich Engels das Licht der Welt erblickte, steht seit vier Jahren ein überlebensgroßes Denkmal, das den »General« (so dessen Kosename in der Familie Marx) ebenfalls in Denkerpose zeigt, sich den Bart kraulend. Auch dies eine Gabe aus China, gefertigt von Zeng Chenggang, Direktor des chinesischen Skulptureninstituts. Ich denke, es ist höchste Zeit für ein »Danke, China!«

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