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Der Kampf um mehr Frei-Zeit von der Arbeit

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»Ist Wochenschluss bereits am Freitag, dann ist der ganze Samstag Frei-Tag« - mit diesem Bonmot beginnt ein Werbefilm des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus dem Jahr 1956 für die Fünf-Tage-Woche. »Fragt nun mancher, wie verbringst du diese schönen Tage, das ja, das ist jetzt die Frage. Nun, da gibt es viele Sachen, die nützlich sind und Freude machen. Hauptsache ist, man spannt mal aus!«

Denn nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten die Menschen noch weitaus länger als heutzutage. Lag die durchschnittliche Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten 2016 bei 40,3 Stunden pro Woche, waren in der Nachkriegszeit 48 Stunden und mehr Usus. Die Gewerkschaften starteten deswegen eine Kampagne zur Einführung der Fünf-Tage-Woche mit 40 Stunden Gesamtarbeitszeit. Unter dem Motto »Samstags gehört Vati mir«, machten sie dafür Stimmung. In den 1960er Jahren setzten sie ihre Forderungen sukzessive durch. 1990 erreichte die IG Metall noch die Einführung der 35-Stunden-Woche in ihren Branchen.

Doch ist der Kampf um die Arbeitszeit weitaus älter als die Gewerkschaften. »Schon Karl Marx wusste, dass sich im Kampf um die Zeit ein Grundwiderspruch des Kapitalismus entfaltet«, schrieb der LINKE-Vorsitzende Bernd Riexinger im Januar in einem Gastbeitrag für die »Frankfurter Rundschau«. Den Arbeitenden gehe es um die Erhaltung ihrer Gesundheit und um mehr Lebenszeit zur eigenen Verfügung. Das Kapital habe von sich aus die Tendenz, den Arbeitstag so auszuweiten, dass Arbeitstag und Lebenstag praktisch identisch würden.

Schließlich widmete Marx dem Arbeitstag im »Kapital« ein ganzes Kapitel. Die Hälfte davon handelt vom Kampf um den sogenannten Normalarbeitstag. Es ist ein geschichtlicher Abriss der Auseinandersetzungen um die Arbeitszeit von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein. Die Schöpfung eines Normalarbeitstags sei »das Produkt eines langwierigen, mehr oder minder versteckten Bürgerkriegs zwischen der Kapitalistenklasse und der Arbeiterklasse«, schreibt Marx da. Denn die Unternehmer können ihren Mehrwert und Profit nicht nur dadurch mehren, dass sie ihren Angestellten weniger Lohn für ihre Arbeitskraft geben, sondern auch, indem sie sie länger arbeiten lassen.

So stellte Marx zwei entgegengesetzte geschichtliche Tendenzen heraus. Die eine war die Zeit der Fabrikgesetzgebung im 19. Jahrhundert, als die Arbeitszeit auch durch Gesetze begrenzt wurde. Auf der anderen Seite hat es das Kapital laut Marx Jahrhunderte gekostet, die Arbeitszeit so weit auszudehnen, dass der »freie« Arbeiter gesellschaftlich gezwungen war, »für den Preis seiner gewohnheitsmäßigen Lebensmittel seine ganze aktive Lebenszeit« zu verkaufen.

Und auch jetzt arbeiten immer mehr Menschen wieder am Wochenende. Und in Zeiten andauernder Erreichbarkeit und E-Mails vom Chef fragt man sich, wann der Ruf »im Urlaub gehören Mama und Papa mir« laut wird. spo

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