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Paparazzi warten in den Wäldern

Anzahl der Wildkameras im Nordosten unbekannt

  • Von Joachim Mangler, Rostock
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wildkameras sind heute kaum aus der Forschung wegzudenken. Doch sie werden längst nicht mehr nur im Wald und auf Wiesen eingesetzt. Mecklenburg-Vorpommerns Datenschutzbeauftragter Heinz Müller rief dieser Tage zu mehr Sorgfalt im Umgang mit Wildkameras auf. »Ihre Verwendung im öffentlich zugänglichen Raum ist so ohne Weiteres nicht zulässig. Und der Wald ist ein öffentlicher Raum«, sagte Müller der dpa. Zahlen über die Verbreitung der kleinen und unauffälligen Kameras im Nordosten gibt es nicht. Der Landesforstverband schätzt bei rund 4000 Jagdbezirken, dass mehrere Tausend Kameras in den Wäldern aufgehängt sind.

Wenn Menschen davon ausgehen müssten, dass sie permanent beobachtet würden, könnten sie in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sein, begründete seine Müller Skepsis. Er verwies auf einen Hinweis des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1983 zum damaligen Volkszählungsgesetz. Darin heiße es: »Wer davon ausgehen muss, dass jede seiner Tätigkeit aufgezeichnet und möglicherweise gegen ihn verwendet wird, wird sich anders verhalten.« Das habe das oberste Gericht in einer Zeit gesagt, »als die technischen Möglichkeiten im Vergleich zu heute geradezu steinzeitlich« anmuteten.

Im September 2017 hatte das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes entschieden, dass Jäger eine Wildkamera im Wald bei einer Datenschutzbehörde melden müssen. Weil es ein Betretungsrecht für den Wald gebe, handele es sich, etwa im Umkreiseiner Futterstelle, »um eine faktisch öffentliche Fläche«. Personenbezogene Daten und Bildaufzeichnungen von Menschen, die mit der Jagd nichts zu tun haben, unterlägen dem Datenschutz.

Für Müller ist auch der Vergleich zur permanenten Beobachtung an sozialen Brennpunkten in Innenstädten wie etwa dem Marienplatz in Schwerin nicht zulässig. Dort finde eine Abwägung der Interessen statt. Sie komme bei der Beobachtung in einem kriminellen Umfeld zu einem anderem Ergebnis als in der Beschaulichkeit eines Waldes.

Die Skepsis Müllers wird vom Vize-Geschäftsführer des Jagdverbands MV, Henning Voigt, geteilt, auch wenn er als Jäger durchaus die Vorteile sieht. Die Kameras dürften keinesfalls so aufgestellt werden, dass Menschen im Fokus seien, sagte Voigt. »Und wenn es doch passiert, dürfen die Aufnahmen keinesfalls veröffentlicht werden.« Voigt gab die Empfehlung ab, den Einsatz der Kameras nicht zu übertreiben, auch um rechtliche Probleme zu vermeiden.

Ohne diese Kameras seien aber viele Kenntnisse über das Leben des Wilds gar nicht möglich, sagte Voigt. »Früher mussten wir wie Indianer sein, haben nach Losungen oder Fährten geschaut.« Heute lieferten die Kameras nicht nur spektakuläre Bilder über Wolfsrudel oder ausgewilderte Tiere, die ganze Fauna im Beobachtungsradius lasse sich abbilden. »Das dient auch der effektiven Bejagung, weil man feststellen kann, wann und wo die Tiere auftauchen.« Auch von Naturschützern hieß es, dass die Geräte bei der Erforschung des Wildtierbestandes unverzichtbar seien. dpa/nd

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