Werbung

Jeder siegt hier - mindestens über sich selbst

In vier Wochen steigt der 46. GutsMuths-Rennsteiglauf. 15 600 Sportler werden dabei sein, darunter auch einige Stars

  • Von Michael Müller
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Exakt 442 492 Starterinnen und Starter haben es seit der Premiere des GutsMuths-Rennsteiglaufes 1973 auf dem Kammweg des Thüringer Waldes durch Höhen und Tiefen, Hitze und Regen, über Stock und Stein zum Ziel geschafft. Klingt schlimm, und das ist es mitunter auch. Dennoch - vielleicht sogar gerade deshalb - wurde er schon oft zum schönsten und härtesten Cross Europas gewählt. Die Zahl derer, die bei ihm schon 25 mal und mehr dabei waren, liegt knapp unter der 1000er-Grenze. Bei den großen Stadtmarathons gehören so einige Athleten mitunter schon nach zwei Starts zu den Alteingesessenen. Beim Rennsteiglauf wird die entsprechende Urkunde erst beim zehnten Mal vergeben.

In knapp 30 Tagen geht es wieder los. Bisher liegen 15 558 Meldungen vor, informierte Rennsteiglauf-Präsident Jürgen Lange am Freitag auf nd-Anfrage. 1927 sind es für den Supermarathon (73,5 km), 3116 für den Marathon, und beim Halbmarathon wurde die Kappungsgrenze von etwas mehr als 8000 schon vor ein paar Wochen erreicht. »Das entspricht unseren durchaus ehrgeizigen Erwartungen«, meint Lange. »Beim Marathon sind sie sogar schon etwas übertroffen worden«.

Den von der Staatsführung erhofften UNESCO-Sportpreis hatte der Rennsteiglauf als DDR-Gewächs 1990 spät, aber nicht zu spät, vielleicht sogar zum genau richtigen Zeitpunkt erhalten. Inzwischen läuft der Naturlauf bei den Fans sogar den medien- und gewinnträchtigen großen städtischen Events den Rang ab. So ist der Rennsteig-Marathon bei der Leserumfrage des Laufsportportals »marathon4you« seit 2014 ununterbrochen zum »beliebtesten Marathon des deutschsprachigen Raumes« gekürt worden.

Solche Auszeichnungen ziehen immer wieder interessante Namen an. Für 2018 nennt Präsident Lange u. a. den ehemaligen Triathlonvizeweltmeister Steffen Justus, der seine Profikarriere jüngst beendet hat, und Florian Neuschwander, ein schriller Typ der Szene, der gerade in 8:48:04 Stunden den 100-Kilometer-Traillauf von Malibu gewann. Beide starten im Super-Marathon auf dem Rennsteig.

Darüber, woher Zuneigung, mitunter gar Liebe, zum einzigen wirklich noch quicklebendigen großen Sportereignis aus DDR-Zeiten herrührt, wurde oft debattiert und gerätselt. Bodenständig und dennoch sportlich anspruchsvoll heben die einen hervor. Andere verweisen mehr auf Basisorientierung sowie die Ehrenamtlichkeit bei der Organisation.

Bernd Schröder, inzwischen 75, der mit dem 1. FFC Turbine Potsdam zu einem der erfolgreichsten Frauen-Fußballtrainer der Welt avancierte, ist diesmal Ehrenkapitän des nd-Rennsteiglaufteams. Er hebt in diesem Zusammenhang noch etwas anderes hervor: »Breiten- und Leistungssport sind beim Rennsteiglauf ganz dicht beieinander.« Einerseits sei für die Abertausenden Amateure dort »das Prädikat amateurhaft fehl am Platz«. Andererseits seien die Hochleistungsathleten, die dabei sind, »ganz große klasse, aber eben keine Profis«.

Das ist zwar offiziell bei den meisten Laufveranstaltungen hierzulande ähnlich. Doch der Thüringer Passlauf unterscheidet sich sehr wohl. In dieser Liga ist es ansonsten üblich, für Rekordjagden internationale Spitzenstars teuer einzukaufen und dicke Siegprämien auszuschütten.

Überhaupt bricht Bernd Schröder im nd-Gespräch eine Lanze für eine ganzheitliche Sicht auf Amateur- und Leistungssport. »Es stimmt nicht, dass die einen nur nach Spaß, die anderen nur nach Siegen streben«, meint er. Es gelte »heutzutage zwar irgendwie als cool, den Fun hervorzuheben«, fügt er hinzu, »doch die Leute machen sich da etwas vor: Wer sich auf den Rennsteiglauf einlässt, lässt sich auch auf Leistung ein. Der muss leidens- und kampffähig sein. Und zwar innerhalb seiner Möglichkeiten«. Hochleistungssportler im Profibereich hätten zwar ganz andere Rahmenbedingungen, und deshalb könne und müsse man sie auch ganz anders fordern. »Spaß haben aber auch sie. Besonders wenn sie siegen, dabei vor allem über sich selbst. Genau so wie die sogenannten Amateure. Auch die in unserem nd-Team, auf das ich mich sehr freue.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen